Wenn deutsche Naschkatzen ins Süßwarenregal greifen, dann haben sie fast immer Tafeln, Riegel oder Pralinen im Visier. Wer jedoch Schokolade unbeschwert genießen möchte, sollte auf Fairtrade- und Biosiegel achten. 

Ob in schlanker Tafelausgabe oder eher quadratisch-praktisch – jeder Deutsche nascht im Schnitt pro Jahr 9,2 Kilogramm Schokolade. Mehr schaffen nur die Schweizer. Dabei ist der süße Verzehr von kakaohaltigen Brotaufstrichen und Getränken noch gar nicht mitgerechnet. 

Schokolade Schild Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus ; Quelle www.wikipedia.deUnsere deutsche „Schokoladen-Geschichte“ hat eine lange Tradition. So kam es bereits Anfang des 19. Jahrhunderts zunächst in Dresden und Leipzig zu einem ersten Schokoladenboom.In Dresden wurde 1823 die Schokoladenfabrik Jordan & Timaeus gegründet, die 1839 die erste Milchschokolade herstellte. Während die Schokolade in Berlin noch als „teures Stärkungsmittel“ galt, eröffnete in Leipzig 1821 die Konditoreiwaren-Handlung Wilhelm Felsche mit einer eigenen Schokoladenproduktion. Im Kaffeehaus, das 1835 im Erdgeschoss und der ersten Etage des Verkaufsgeschäftes eröffnet wurde, traf sich die feine Gesellschaft, um bei einer Tasse „chocolat“ zu plaudern, wie es in Frankreich, Italien und Spanien schon länger Mode war. 

 Als älteste bestehende Schokoladenfabrik Deutschlands gilt die Halloren Schokoladenfabrik in Halle (Saale), gegründet von dem Pfälzer Konditor und Pfefferküchler Friedrich August Miethe im Jahre 1804.

KakaobauerAnbauländer und Regionen
Um die sprunghaft steigende Nachfrage in Europa zu decken, begannen die Kolonialmächte Ende des 19. Jahrhunderts den Kakaobaum im tropischen Afrika und Asien zu kultivieren. Heute werden weltweit pro Jahr rund 3,4 Millionen Tonnen Kakao geerntet. Die größten Anbauländer sind die Elfenbeinküste, Ghana, Indonesien, Nigeria, Kamerun, Brasilien, Ecuador, Togo, Papua-Neuguinea, Mexiko, Kolumbien, die Dominikanische Republik und Malaysia. Kleinere Anbauländer sind unter anderem Peru, Venezuela, Guinea, Indien, Sierra Leone, Philippinen, Madagaskar, Tansania, Costa Rica, Haiti, Liberia, Kongo, Kuba, Bolivien, Nicaragua, Guatemala und Jamaika. 70 Prozent der Kakaoernte stammen aus West- und Zentralafrika. Der Löwenanteil der weltweiten Kakaoproduktion – rund 40 Prozent – stammt aus der Elfenbeinküste, der Côte d´Ivoire. Dennoch gehört sie zu den 20 ärmsten Ländern der Welt und hat mit dem Problem der Kinderarbeit zu kämpfen.

 Kindersklaverei auf den Plantagen

Kinder müssen auf den Plantagen schuften.Nach Angaben von „TransFair“, Deutschlands Verein zur Förderung des Fairen Handels mit der „Dritten Welt" mit Sitz in Köln-Sülz, schuften zirka 600.000 Minderjährige unter sklavenähnlichen Bedingungen auf den Plantagen des Landes. Der Großteil stammt aus Bauernfamilien, viele werden aber auch von Menschenhändlern aus armen Nachbarländern in die Kakaostaaten Ghana und Elfenbeinküste verschleppt.

Traurige Tatsache für uns Schokoladenliebhaber: Die Kinder selbst haben und werden wohl auch nie Schokolade zu essen bekommen.

 

Aktiv gegen Kinderarbeit

Erstmalig im Jahr 2001 gerieten die Missstände auf den Kakaoplantagen an der Elfenbeinküste in den Fokus der Öffentlichkeit. Ein Schock für die nationale und internationale Kakao- und Schokoladenwirtschaft, die sich sofort zu ihrer Mitverantwortung bekannte. Seither unterstützt sie eine Fülle von Maßnahmen zur Verbesserung der sozialen und agroökonomischen Bedingungen in den westafrikanischen Kakaoanbauregionen: 

Der Bundesverband der Deutschen Süßwaren-industrie (BDSI) fördert über die „Stiftung der Deutschen Kakao- und Schokoladenwirtschaft“ Projekte wie die Schulung von Farmern in der Côte d’Ivoire und betreibt Elternaufklärung vor Ort in Kooperation mit den Regierungen der Elfenbeinküste, von Ghana und Kamerun sowie der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ). 

Kinder müssen schwer auf den Plantagen arbeiten.

Auf internationaler Ebene wurde auf Betreiben der großen weltweit aktiven Konzerne der Kakao- und Schokoladenwirtschaft die „World Cocoa Foundation“ (WCF) im Jahr 2000 gegründet zur weltweiten Unterstützung von Kakaobauern und ihren Familien. Ziel der Non-Profit-Organisation (NGO) ist es, das Einkommen der Bauern zu erhöhen, den verantwortungsbewussten und nachhaltigen Kakaoanbau zu fördern sowie die Gemeinde und die Genossenschaft der Kakaobauern zu stärken. Schwerpunkte der WCF-Arbeit sind in Afrika, Südostasien und Lateinamerika. 

Organisationen gehen weltweit gegen die Kinderarbeit vor.Im Juli 2002 folgte die Gründung der „International Cocoa Initiative – Working Towards Responsible Labour Standards for Cocoa Growing“ durch die globale Schokoladen- und Kakao-Industrie in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften und NGOs vor dem Hintergrund des 2001 geschlossenen Harkin-Engel-Protokolls. Sitz der ICI, die sowohl global als auch lokal arbeitet, ist in Genf. 

Eines der Hauptziele der ICI war und ist die Beseitigung von ausbeuterischer Kinderarbeit im Bereich des Kakao-Anbaus sowie der Kakao-Verarbeitung. Hierzu unterstützt die Stiftung die Planung und Durchführung von Investigationen und Maßnahmen gegen Kinderarbeit unter Berufung auf international anerkannte Richtlinien. Gleichzeitig werden Projekte vor Ort mit den lokalen Behörden durchgeführt sowie unternehmenspolitische Leitlinien mit den Konzernen erarbeitet und begleitet. Zu den Teilnehmern gehören unter anderem Cadbury, Ferrero, Hershey, Kraft und Nestlé.     

 „Gute“ Schokolade

Fair Trade Siegel; FLO-CERT Fair Trade Siegel; FLO-CERT Wer mit gutem Gewissen Schokolade genießen möchte, hat die Möglichkeit, Produkte mit dem Stempel „Kinderarbeit“ zu meiden, indem er auf das Fairtrade-Siegel achtet. Bei fair gehandeltem Kakao werden den einheimischen Lieferanten Mindest-abnahmepreise garantiert. Sie haben damit die Gewähr eines gesicherten Einkommens. Dafür verlangen die Mitglieder der internationalen Dachorganisation „Fairtrade Labelling Organizations“ (FLO) jedoch von den Bauern unter anderem, dass alle Kinder, die auf elterlichen Plantagen helfen, zur Schule gehen dürfen. Weitere Bedingungen sind das Verbot, Jugendliche unter 15 Jahren als Arbeiter anzustellen und Jugendliche unter 18 mit gefährlichen Chemikalien hantieren oder andere gesundheitsschädliche Tätigkeiten ausüben zu lassen. Um sicher zu gehen, dass die Fairtrade-Standards eingehalten werden, gibt es in regelmäßigen Abständen Kontrollen vor Ort.

Schokoladiges aus Fairem Handel

Schokolade:  ·      

  • Sorten von Naturata wie Chocolat Cornflakes (Vertrieb über Naturkostfachgeschäfte)      
  • Sorten von Ethiquable wie Vollmilch Cashewnuss (Vertrieb über Naturkostfachgeschäfte und Weltläden)       
  • Sorten von Gepa wie Grand Noir Orange (Vertrieb über Naturkostfachgeschäfte und verschiedene Supermärkte)     
  • Sorten von Maestrani wie Erdbeer (Vertrieb in Müller-Drogeriemärkten und Real)       
  • REWE Bio Schweizer Haselnuss-Schokolade       
  • Swiss Confisa Blanc au Nougat (Vertrieb über denn’s Biomärkte)      
  • Fairglobe Vollmilchschokolade (Vetrieb über Lidl)      
  • alle Sorten von Zotter im eigenen Shop          

 Schokopulver: ·      

  • Bio Cocoba von Gepa (Vertrieb über Naturkostfachgeschäfte und verschiedene Supermärkte oder siehe unten)        
  • Trinkschokolade von Krüger (Vertrieb über REWE und Kaufland)  ·      
  • REWE Bio Instant-Kakao    

Weitere Produkte unter:
http://www.fairtrade-deutschland.de/produkte/produktdatenbank/     

 

Bio-Schokolade hat nicht weniger Kalorien als "normale".Übrigens Die „traurige Nachricht“:

Wer aus Figur-Gründen meint, Fairtrade- oder Bio-Schokolade sei wegen des Prädikats „Bio“ gesünder und habe weniger Kalorien als ihre vollmichigen Schwestern, der irrt – die Kalorien bleiben wegen des Kakao-, Zucker- und Milchgehalts gleich!  

Text: Linda Fischer/Fotonachweis: World Coca Foundation/pixabay  Einleitungs- und Beitragsbild: pixabay

 Wie man Schokolade auch "nachhaltig" produzieren kann - unser Buchtipp: Ein Buch das Mut macht - Zotter Mr. Nachhaltigkeit in Person