Neue Studie beleuchtet kritische Arbeits- und Produktionsbedingungen in der italienischen Gerberei-Industrie

KampagneWien/Köln - Frauen und Schuhe - ein fast unerschöpfliches Thema mit vielen Klischees. Doch vieles scheint zu stimmen, denn laut einer Studie des in Köln ansässigen Meinungsforschungsinstitutes YouGov von 2014 besitzt jeder Deutsche im Durchschnitt 12,8 Paar Schuhe. Alleine auf die Frauen fallen dabei durchschnittlich 17,3 Paar Schuhe pro Person. Damit haben die Damen mehr als doppelt so viele Schuhe im Schuhschrank wie die Männer, die durchschnittlich nur 8,2 Paar Schuhe besitzen.

Ein weiterer interessanter Fakt ist, dass 48 Prozent der Deutschen beim Schuhkauf mehr Geld ausgeben als sie dafür eigentlich einplant haben. Bei Frauen stehen beim Shoppen vor allem Sneaker, Stiefeletten, Ballerinas, Plateauschuhe, High Heels und Stiefeletten auf der Einkaufsliste. Bei Männern sind es dagegen Sneakers und Budapester.

CoverBild: © Clean Clothes Campaign/Eine Kuh im SchuhItalien ist traditionell das bedeutendste Land für die Lederherstellung in Europa mit 60% Anteil des gesamten in der EU produzierten Leders. Eine neue Studie der Initiative „Change your Shoes“ der österreichischen Clean Clothes Kampagne und GLOBAL2000 gibt Einblick in die Lederherstellung in Italien und beleuchtet das beliebte Leder „Made In Italy“.

Verheerende Arbeitsbedingungen
„Nicht nur in Indien oder Bangladesch gilt es die Arbeitsbedingungen in Gerbereien zu verbessern. Unsere Studie zeigt auf,dass es alleine zwischen 2009 und 2013 in der italienischen Region Santa Croce 720 Arbeitsunfälle gegeben hat. Prekäre Arbeitsverträge nehmen stark zu. So sind auch Vier-Stunden-Verträge übliche Praxis geworden“, erläutert Michaela Königshofer, Koordinatorin der Clean Clothes Kampagne.

Enorme Umweltauswirkungen
„Die Gerberei-Industrie benötigt extrem viel Wasser und es fallen große Mengen toxischer Abfälle an. Pro Kilogramm Leder entstehen bis zu 6,15 Kilogramm Feststoffabfälle“, erklärt Lisa Kernegger, Ökologin bei GLOBAL 2000. „Die zu klärende Abwassermenge in Santa Croce entspricht der einer Stadt mit über drei Millionen Einwohnern – die tatsächliche Bevölkerungszahl beträgt aber nur 110.000.“

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Gute Schuhe machen länger Freude und schonen die Umwelt
„Generell gilt auch beim Schuhkauf: „weniger ist mehr“; lieber einmal ein richtig gutes Paar Schuhe kaufen das lange in Verwendung ist, als viele billige Paare die man nur kurz oder gar nicht trägt“, sind sich Kernegger und Königshofer einig denn: „Gute Schuhe lassen sich auch beim Schuster reparieren und sind somit langlebig. Fragen sie außerdem immer nach dem österreichischen Umweltzeichen für Schuhe, denn dieses garantiert sozial und ökologisch nachhaltige Schuhe.“

Per App auf dem Weg nach Brüssel
„Das Ziel von ‚Change your Shoes‘ ist, die Schuhproduktion transparenter zu machen, denn wer Schuhe kauft, hat das Recht zu wissen, unter welchen Bedingungen diese Schuhe produziert wurden und welche Chemikalien zum Einsatz kamen“, erläutert Michaela Königshofer. Um mehr Transparenz zu erreichen, startete Global2000 und die Clean Clothes Kampagne einen virtuellen Marsch nach Brüssel. „Mit unserer App ‚Change your Shoes‘ kann man spazierend, gehend oder im Laufschritt seine Schritte zählen. Die gesammelten Schritte tragen zu einem virtuellen Marsch nach Brüssel bei, der die Forderung nach mehr Transparenz und klaren Regulierungen gegenüber der EU unterstützen soll“, erklärt Königshofer die Idee der App.
Quelle: Text: Clean clothes Kampagne/lin/Grafiken. Clean clothes

Hintergrundinformationen:
Zusammenfassung Bericht „A tough story of leather“
Bericht „A tough story of leather“

Video: "Change your shoes" - Ein schockierendes Shoppingerlebnis


 
Dass es auch anders geht, zeigt das Label "Veja"- ein anderer Weg, Schuhe herzustellen