Die Umsätze mit Biolebensmitteln und -getränken in Deutschland wuchsen erstmals seit Jahren wieder zweistellig. So kauften die Haushalte in  Deutschland Biolebensmittel und -getränke im Wert von 8,62 Milliarden  Euro. Das sind rund elf Prozent mehr als in den Vorjahren.

Einkauf von Biolebensmitteln 2015 nach Geschäftstypen. Quelle: AMIEinkauf von Biolebensmitteln 2015 nach Geschäftstypen. Quelle: AMILebensmitteleinzelhandel war Wachstumstreibe
Insbesondere das Engagement des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) – und hier vor allem der Discounter – brachte 2015 mehr Bioprodukte zu den Kundinnen und Kunden, die ein größeres Sortiment gern annahmen. Die Bioumsätze des Lebensmitteleinzelhandels wuchsen 2015 mit gut 13 Prozent überdurchschnittlich. 4,76 Milliarden Euro (55 Prozent) des Bioumsatzes erzielte der LEH. 

Der Naturkosthandel erreichte mit einem Plus von 10 Prozent rund 2,71 Milliarden Euro Umsatz mit Biolebensmitteln und konnte seinen Anteil am Biomarkt von 31 Prozent halten. In den sonstigen Geschäften, zu denen Bäckereien, Metzgereien, Hofläden, Versandhandel, Wochenmärkte und Reformhäuser zählen, kauften die Verbraucherinnen und Verbraucher Bioprodukte im Wert von 1,15 Milliarden Euro. Damit wuchsen die sonstigen Geschäfte zwar unterdurchschnittlich, aber dennoch stärker als in den vergangenen Jahren. So die Marktschätzung des von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft mbH (AMI) koordinierten Arbeitskreises Biomarkt*  auf Basis von Daten der Marktforschungsinstitute GfK, Nielsen, bioVista und Klaus Braun Kommunikationsberatung. 

Die Verbraucherausgaben sind bei den meisten Bio-Produkten stärker etwas gewachsen als die Einkaufsmenge. Quelle: AMI Die Verbraucherausgaben sind bei den meisten Bio-Produkten stärker etwas gewachsen als die Einkaufsmenge. Quelle: AMI Umsatz wuchs vor allem aus der Menge
Bei einem Großteil der Biolebensmittel wuchs der Umsatz 2015 vorrangig durch größere Verkaufsmengen. Zwar zogen auch die Preise für viele Produkte an, aber in wesentlich geringerem Maße als die Verkaufsmengen. Einzig bei Kartoffeln und teilweise Gemüse kann das Umsatzwachstum vorrangig auf Preiserhöhungen zurückgeführt werden. So kauften die Haushalte nur 0,5 Prozent mehr Biokartoffeln – auch bedingt durch die Angebotslücke im Frühjahr, gaben aber acht Prozent mehr Geld dafür aus. Bei wenigen Produkten sind die Einkaufsmengen stärker gestiegen als die Umsätze. Zum Beispiel kauften die Haushalte zwei Prozent mehr Wurstwaren, gaben aber nur ein Prozent mehr Geld dafür aus. So wurde mehr Wurst in den Discountern verkauft, welche die Produkte günstiger anboten. Gleiches gilt für Quark, der in mehr Geschäften etwas günstiger verkauft wurde.

Frische- und Trockensortiment wächst gleichermaßen
Anders als in den Vorjahren trugen Frischeprodukte und Trockenprodukte fast gleichermaßen zum Umsatzplus bei. Die Trockenprodukte hatten mit zwölf Prozent Wachstum die Nase vorn, die Frischeprodukte legten jedoch mit zehn Prozent mehr Umsatz ebenfalls stark zu. Unter den Frischeprodukten waren Quark, Milchgetränke, Obst, Gemüse, Fleisch und Konsummilch die Verkaufsschlager. Einige Ketten des Lebensmitteleinzelhandels erweiterten ihr Bioobstsortiment. Beim Biogemüse hat sich der Markt hin zu einem vielfältigeren und damit höherwertigen Angebot gewandelt – die günstigen Biomöhren dominierten den Umsatz mit Biogemüse nicht mehr ganz so stark wie in den Vorjahren.

Bioanteile bei frischen Nahrungsmitteln. Quelle: AMIBioanteile bei frischen Nahrungsmitteln. Quelle: AMITierische Produkte legten stark zu
Insbesondere bei den Milch- und Molkereiprodukten erweiterten die Discounter ihr Angebot. So kauften die Haushalte in Deutschland 2015 knapp 11 Prozent mehr Biotrinkmilch, gut 8 Prozent mehr Joghurt, 20 Prozent mehr Quark, 8 Prozent mehr Käse und 7 Prozent mehr Butter. Insbesondere einige Discounter haben ihr Sortiment erweitert, wodurch den Kundinnen und Kunden eine größere Auswahl an Milchprodukten zur Verfügung stand. Durch die Initiative der Handelsketten entsteht eine anhaltend hohe Nachfrage an die Molkereien. Nicht zuletzt dadurch konnte sich der Biomilcherzeugerpreis so stark vom konventionellen Milchpreis lösen. 

Auch bei Fleisch haben die Discounter eine Nachfragewelle ausgelöst. Bioschweinefleisch war schon zuvor knapp gewesen, die hohe Nachfrage aber hat auf Erzeugerseite die Preise explodieren lassen. Für das Jahr 2016 wird eine bessere Marktversorgung erwartet, da viele Akteure ihre Sauen- und Mastschweinbestände ausgeweitet haben – ein Marktgleichgewicht dürfte sich aber frühestens im Sommer einstellen. Die Nachfrage nach Biorindfleisch ist noch stärker gestiegen als nach Bioschweinefleisch. Biorinder waren deutlich besser verfügbar. Allerdings wurden kaum mehr Tiere gehalten, dafür aber mehr Biorinder tatsächlich auf dem Biomarkt vermarktet. Insbesondere Hackfleisch im Einstiegssortiment war gefragt, wofür inzwischen alle nur möglichen Teilstücke verwendet werden. 

Auch die Eierkäufe haben sich 2015 weiter um 13 Prozent erhöht. Inzwischen stammen 11,5 Prozent der Konsumeier von Biobetrieben – ein Anteil der sonst nur bei wenigen Produkten wie Möhren oder auch Bananen erreicht wird.

Trockensortiment erfolgreich
Im Trockensortiment gehörten Speiseöl und Mehl im Jahr 2015 neu zum Sortiment verschiedener Ketten im LEH, so dass der Umsatz mit diesen Bioprodukten um mehr als 20 Prozent stieg. Milchersatzprodukte wie Rahmerzeugnisse und Joghurt aus Soja gehören mit zweistelligen Wachstumsraten ebenfalls zu den Gewinnern. Der Vegan-Boom allerdings scheint 2015 abgeflaut zu sein. Hierbei haben insbesondere die Fleischersatzprodukte an Dynamik verloren. Ein Grund ist die vermehrte Listung von konventionellen Fleischersatzprodukten im Lebensmitteleinzelhandel. Sogenannte Free from-Produkte wie Produkte ohne Gluten, ohne Zucker, ohne Laktose, werden immer häufiger nachgefragt. 

* Dem Arbeitskreis gehören an: Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI), bioVista, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), GfK SE, Prof. Dr. Ulrich Hamm (Universität Kassel), Klaus Braun Kommunikationsberatung, Prof. Dr. Paul Michels (Hochschule Weihenstephan-Triesdorf) und Nielsen.

 Quelle: Text: Ökolandbau.de, danke dafür ; Einleitungs- und Beitragsbild: Pixabay 

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