Aktualisierung: Etwas mehr als ein Jahr nach der ersten Untersuchung von Glyphosatrückständen im deutschen Bier, hat das Umweltinstitut München erneut getestet.
Auch diesmal wurden Rückstände des Pestizides in allen untersuchten Bieren nachgewiesen. Der Trinkwasser-Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter ist bei allen überschritten. Das positive an den neuen Testergebnissen ist: Die Werte sind im Durchschnitt um fast 80 Prozent gesunken.

Hier noch einmal der Kommentar vom vergangenen Jahr. Er hat an Aktualität nicht verloren.
Gerade ist Starkbierzeit in Bayern und so manchem trinkfesten Bajuwaren wird bei einem kühlen Schluck Gerstensaft ein bisschen mulmig zu Mute sein, wenn der Trinknachbar dazu wohlwollend meint: „Sepp trink net zvui, des geht nämlich auf deine Spermien.“
Wir alle sind aufgeschreckt. Wir, die immer so stolz waren auf unser deutsches Reinheitsgebot. Das noch dazu in diesem Jahr 500sten Geburtstag feiert. „Hopfen und Malz – Gott erhalt´s.“

Der Pestizidwirkstoff Glyphosat hat das heiligste aller Lebensmittel verunreinigt – das Bier. Bei einer vom Umweltinstitut München in Auftrag gegebenen Studie mit 14 Biersorten namhafter Bierbrauer sind alle getesteten Produkte mit Glyphosat angereichert. Spitzenreiter ist ein Gerstensaft, der über dem 300-fachen gesetzlichen Grenzwert liegt.

Als Verbraucher fühle ich mich schlichtweg verarscht, wenn ich am Tag nach der Veröffentlichung die Statements der verantwortlichen Organisationen und Behörden in den Medien lesen und hören muss. Da gibt ein Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt im Morgenmagazin in der ARD Entwarnung, dass man 1000 Liter am Tag trinken müsse, um eine gesundheitlich bedenkliche Dosis aufzunehmen. Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) möchte in seiner Stellungnahme „die Seriosität der Untersuchung ernsthaft in Zweifel ziehen“. Der Deutsche Bauernverband hat gar einen Faktencheck auf seiner Homepage, bei dem jedes „Contra“-Argument widerlegt wird.

Fakt ist: Das Pflanzenschutzmittel Glyphosat findet man inzwischen auf unserem Esstisch in unzähligen Lebensmitteln. Bei vielen von uns kann es im Urin nachgewiesen werden. Der US-Megakonzern Monsanto, der übrigens auch prächtig an seinem Baby „Agent Orange“, dem toxischen Entlaubungsmittel im Vietnamkrieg, verdient hat, ist natürlich daran interessiert, dass sein Produkt am Markt bleibt.

Wir Verbraucher wollen keine „Wischi-Waschi- Erklärungen“ von verantwortlichen Stellen, dass erst mit Megadosen eine vielleicht krebserzeugende Wirkung erreicht wird. Wir wollen, dass der Dreck wegkommt - und zwar sofort.

Übrigens: Der Bundestag hat sich gerade gestern dafür ausgesprochen, das Pflanzengift Glyphosat in der EU neu zuzulassen. Eine Frage tut sich immer mehr auf, gerade im Hinblick auf die sehr intensiv geführte Diskussion über das Freihandelsabkommen TTIP: Zählen Wirtschaftsinteressen mehr, als die Vorstellungen von über 80 Millionen Bundesbürgern?

Florian Simon Eiler

Bilder:pixabay

Prosecco EinleitungsbildVielleicht auch interessant: Glosse zum Glyphosatverzicht - Schäumende Perlen nicht vor die Säue werfen . Hier zu den Testergebnissen des Umweltinstitutes München e.V.