Die US-Behörden haben zum allerersten Mal ein gentechnisch verändertes Tier als Lebensmittel zugelassen.Damit kann in den USA bald genmanipulierter Lachs serviert werden.

Washington D.C./Wien - Die US-Lebensmittelbehörde FDA teilte in einer Presseerklärung mit, dass der sogenannte „AquAdvantage“-Lachs der Firma Aquabounty als Lebensmittel auf den Markt gebracht werden darf. Der Gentech-Lachs soll ohne Kennzeichnung auf den Markt kommen. Er ist das erste gentechnisch veränderte Tier, das jemals als Lebensmittel zugelassen wurde.

Gefahr aus Zuchtanlagen
Der Lachs wächst doppelt so schnell wie ein normaler Lachs, weil er das ganze Jahr über Wachstumshormone ausschüttet. Ihm wurden Gene des pazifischen Chinook Lachses eingebaut, um sein Wachstum zu beschleunigen. Deshalb ist er auch unter dem Namen "Turbolachs" bekannt. Zudem trägt er Gene des Eel Fish (dt. Meeres-Dickkopf), die ihn resistent gegen Kälte machen. Er soll schließlich das ganze Jahr über gezüchtet werden, um möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. 

Heidemarie Porstner, Gentechniksprecherin der österreichischen Umweltorganisation GLOBAL 2000: „Diese Entscheidung ist ein Dammbruch für weitere Lebensmittel von gentechnisch veränderten Tieren. Der Gentech-Lachs ist das beste Beispiel dafür, wie die US-Lebensmittelbehörde agiert – im Sinne der Industrie und nicht im Sinne der Umwelt und der KonsumentInnen.“ 30 weitere gentechnisch veränderte Fische warten neben anderen Tieren wie Kühen in der Pipeline auf ihre Zulassung.

Mangelhafte Sicherheitsbewertung der FDA 
Der Gentech-Lachs wurde auch von unabhängigen Wissenschaftlern in den USA als bedenklich eingeschätzt. Laut der Partnerorganisation von GLOBAL 2000, Friends of the Earth US, wurden über die Bedenklichkeit für den Verzehr als Lebensmittel keine ausreichenden Untersuchungen angestellt. Der Gentech-Lachs könnte sich außerdem mit wild lebenden Lachsen kreuzen und in deren Populationen erheblichen Schaden anrichten.

Großer Widerstand in der Bevölkerung und beim Lebensmittelhandel In den USA haben sich bereits mehr als 60 Lebensmittel-Ketten mit 9.000 Läden gegen den Verkauf des gentechnisch veränderten Lachses ausgesprochen. 1,8 Millionen US-BürgerInnen haben eine Petition gegen die Zulassung unterzeichnet. Und laut einer Umfrage der New York Times lehnen 75 Prozent der US-BürgerInnen gentechnisch veränderte Lebensmittel ab.

Gentechnik auch großes Thema in TTIP und CETA 
Bei den beiden geplanten Handelsabkommen zwischen der USA bzw Kanada und der EU geht es zentral um die Frage der Lebensmittelstandards. Heidemarie Porstner: „Die Entscheidung der FDA zeigt, wie in den USA mit Lebensmittelsicherheit umgegangen wird. Das sollte einmal mehr ein Warnsignal sein, wenn es während der TTIP-Verhandlungen um die Angleichung bzw das gegenseitige Anerkennen von Lebensmittelstandards geht. Mit den geplanten Abkommen soll auch die EU für mehr und leichtere Zulassung von Gentechnik geöffnet werden. Doch hier, wie in den USA, lehnen die Menschen Gentechnik ab.“
Quelle: Text: GLOBAL 2000, Umweltinstitut München/Bilder: Pixabay

Presseerklärung der FDA zum "Turbolachs" (in englischer Sprache)