Der Anbau international gehandelter Lebensmittel zapft immer größere Mengen an nicht-erneuerbarem Grundwasser an. Dies führt dazu, dass die Grundwasservorräte schrumpfen – die zukünftige Verfügbarkeit von Lebensmitteln und Wasser gerät damit weltweit in Gefahr, warnt ein internationales Forscherteam im Fachblatt „Nature”. Laut den Experten des University College of London, des Senckenberg, der Universität Klagenfurt, der NASA and des International Institute for Applied Systems Analysis, ist die Menge an nicht-erneuerbarem Grundwasser, das zur Bewässerung genutzt wird, von 2000 bis 2010 um knapp ein Viertel angestiegen.   

Brunnen EinleitungsbildWasser bedeutet LebenUnmengen von Grundwasser für die Lebensmittelherstellung
Reis aus Pakistan, Weizen aus Ägypten und Baumwolle aus den USA – wenn es um die Herkunft dieser und anderer landwirtschaftlicher Güter geht, bedient sich auch der deutsche Verbraucher gern international. Was in Anbauregionen mit aridem oder semiariden Klima an Regen fehlt, wird durch Bewässerung mit Grundwasser ersetzt. Und genau das ist ein Problem. „Die Menge des dabei verbrauchten, nicht-erneuerbaren Grundwassers – also Wasser, das nicht oder nur wenig durch Regen oder Eindringen von Oberflächenwasser erneuert wird – hat weltweit zwischen 2000 und 2010 um 22 Prozent zugenommen. 11 Prozent des übermäßig genutzten Grundwassers fließen in den Bewässerungsanbau von international gehandelten Lebensmitteln“, so Dr. Thomas Kastner, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Universität Klagenfurt, Ko-Autor der neuen Nature-Studie.

Hauptexporteur von landwirtschaflichen Produkten, die mit nicht- erneuerbaren Grundwasser angebaut wurden, ist Pakistan (29 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA (27 %) und Indien (12 %). Beim Import ist China der Spitzenreiter (9 % des nicht-erneuerbaren Grundwassers, das weltweit zum Anbau gehandelter landwirtschaftliche Produkte eingesetzt wird), gefolgt von den USA und Iran. Für Deutschland liegt dieser Wert immerhin bei 2,5 % und damit deutlich über dem Anteil der Deutschen an der Weltbevölkerung.

Exporteure von Produkten, zu deren Anbau übermässig Grundwasser verbraucht wurde, mögen kurzfristig profitieren. Langfristig gesehen dürfte diese Form der Landwirtschaft aber nicht aufrechtzuerhalten sein. Aber auch für Importeure, wie Deutschland, birgt die Entwicklung Risiken. „Obwohl in Deutschland kein Grundwassermangel herrscht, importieren wir Nahrungsmittel, die durch übermässige Grundwassernutzung hergestellt wurden. Langfristig gesehen, könnte diese Versorgung einbrechen oder die Preise stark steigen“, so Kastner.

Die Liste der Produkte, die im internationalen Handel das meiste nicht-erneuerbare Grundwasser ‚im Gepäck haben‘ wird angeführt von Reis (29 % der Gesamtmenge an nicht-erneuerbarem Grundwasser). Mit Abstand folgen Weizen (12 %) und Baumwolle (11 %), Mais (4 %) und Sojabohnen (3 %). Beim Anbau in trockeneren Regionen werden häufig konventionelle Berieselungssysteme eingesetzt. Sie stehen in der Kritik, weil die Entnahmenraten 20 bis 50 Mal über der Menge an Grundwasser liegen, die als erneuerbar eingeschätzt wird.

Nachhaltige Strategien sind die große Herausforderung
Dr. Carole Dalin vom University College London, Hauptautorin der Studie, ist besorgt: „Wo und wie Produkte angebaut werden ist äußerst wichtig, denn Grundnahrungsmittel wie Brot und Reis könnten sich negativ auf die globalen Wasservorräte auswirken. Wenn sich Verbraucher und Produzenten nicht auf Strategien einigen, um die Nachhaltigkeit der Grundwasernutzung zu maximieren, stehen für einen großen Teil der Weltbevölkerung die stabile Nahrungsmittelversorgung und -preise auf dem Spiel. Im Zuge des Klimawandels werden zudem Dürren in vielen Regionen häufiger werden. Um dies kompensieren zu können, dürfen wir die Grundwasservorräte nicht erschöpfen.“

Quelle: Sabine Wendler Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Pressestelle Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, Bilder: Pixabay

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