Aachen/Berlin/Köln – Die Broschüre „Besser Anders. Anders Besser“ zeigt, dass praxiserprobte Ansätze für eine soziale und ökologische Neuorientierung der Landwirtschaft bereits in Nord und Süd bestehen. Entwicklungspolitische Organisationen und Stiftungen fordern die Bundesregierung auf, endlich agrarökologische Ansätze und alternative Vermarktungsformen stärker zu fördern und eine Ernährungswende voranzubringen. Statt um Profite für Agrarkonzerne müsse es ihr um die Unterstützung von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen weltweit, den Schutz von Umwelt und Gesundheit sowie um gute Ernährung für alle gehen.

In der Broschüre zeigen Brot für die Welt, FIAN, das Forum Umwelt und Entwicklung, die Heinrich-Böll-Stiftung, das INKOTA-netzwerk, MISEREOR, Oxfam und die Rosa-Luxemburg-Stiftung, wie Agrarökologie erfolgreiche Alternativen zu industrieller und exportorientierter Landwirtschaft schafft. „Kleinbauern und Kleinbäuerinnen müssen endlich als die entscheidenden Akteure im weltweiten Ernährungssystem anerkannt und gefördert werden. Sie verfügen über angepasstes Saatgut und umfangreiches landwirtschaftliches Wissen und versorgen die lokalen Märkte ihrer Länder. Und das unabhängig von der Chemie und Gentechnik mächtiger Agrarkonzerne wie Bayer und Monsanto“, betont Jan Urhahn, Referent für Landwirtschaft und Welternährung bei INKOTA.

Saatgutbanken in Vietnam beispielsweise decken 30 Prozent des gesamten Reissaatgutbedarfs im Mekong-Delta ab, und zwar mit bäuerlichen Sorten, die perfekt an die Umwelt- und Klimabedingungen der Region angepasst sind. Große Erfolge werden auch mit dem System der Reisintensivierung erzielt. Ernteerträge können um 47 Prozent gesteigert und der Wasserverbrauch um 40 Prozent reduziert werden. Für die Bauern und Bäuerinnen ermöglicht das eine Einkommenssteigerung um bis zu 68 Prozent pro Hektar. „In diesen agrarökologischen Ansätzen steckt großes Potenzial, das unbedingt weiter verbreitet werden sollte. Sie stärken die bäuerliche Landwirtschaft, verbessern die Ernährungssituation und fördern die biologische Vielfalt“, betont Marita Wiggerthale, Agrarexpertin bei Oxfam Deutschland.

„Die Umsetzung einer sozial gerechten und ökologisch nachhaltigen Landwirtschaft verlangt tiefgreifende strukturelle Veränderungen von der Politik“, fordert Sarah Schneider, Referentin für Landwirtschaft und Ernährung bei MISEREOR. „Anbaumethoden, die natürliche Ressourcen schützen und die bäuerliche Selbstbestimmung fördern, müssen seitens der Politik und der Wissenschaft stärker unterstützt werden, sowohl finanziell als auch durch Beratung und partizipative Forschung“, so Schneider. Das gelte auch für kurze Vermarktungswege und alternative Märkte, auf denen Bauern und Bäuerinnen ihre Erzeugnisse zu fairen Konditionen verkaufen können.

„Die großflächige Produktion von Soja, Kaffee oder Palmöl führt zu Pestizidvergiftungen, Landvertreibungen und verringerter biologischer Vielfalt. Daher ist die fortschreitende Industrialisierung der Landwirtschaft sowohl ökologisch als auch menschenrechtlich bedenklich. Die deutsche Entwicklungspolitik sollte agrarökologische und bäuerliche Praktiken fördern, statt die Kooperation mit den Großkonzernen zu vertiefen“, fordert Stig Tanzmann, Landwirtschaftsexperte bei Brot für die Welt.
Quelle: Text: inkota/Bilder: Pixabay

Die gemeinsame Publikation „Besser anders, anders besser: Mit Agrarökologie die Ernährungswende gestalten“ kann bei allen Organisationen kostenfrei bestellt und unter www.inkota.de/besseranders heruntergeladen werden.

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