Eine Zwei-Drittel-Portion Schweinshaxn in der Traditionsgaststätte. Brot und süße Teilchen vom Vortag in einem eigenen Verkaufsladen. Ein halbvoller Buffet-Teller, der stehen gelassen wird und für den der Gast einen Obolus zahlen muss. Alles Beispiele, die in Deutschland bereits Realität sind, für Aufsehen sorgen und letztendlich, was das Wichtigste ist, auch funktionieren. Initiiert von Menschen, die aus unserer gedankenlosen Konsumgesellschaft ausbrechen.

Wie viele Tonnen Lebensmittel es wirklich sind, die wir jährlich auf unsere Müllhalden werfen, spielt nicht die entscheidende Rolle. Jedes Stück Fleisch, jeder Laib Brot, der von uns nicht gegessen und entsorgt wird, ist zu viel.
LebensmittelmüllGlaubt man Fachleuten, fällt bei der Vernichtung von einer Tonne Nahrungsmüll eine Tonne Kohlendioxid an.
 
Die Zuständigkeit in der Politik obliegt dem Verbraucherministerium. Der jetzige Bundesverbraucherminister Christian Schmidt reiht sich unauffällig hinter seinem Vorgänger Hans-Peter Friedrich und der immer strahlenden Ilse Aigner ein.
Das Trio agierte bei diesem Thema wie die drei Fragezeichen und das im bildlichen Sinne. Nie wurde die abartige Lebensmittelverschwendung auf deren Agende geschrieben. Aussitzen und Einknicken vor der großen Lebensmittellobby war die Devise. Und was macht Brüssel?
 
Das Jahr 2014 wurde schon vor zwei Jahren zum Jahr gegen den Lebensmittelmüll ausgerufen. Keiner kriegt es mit, vielmehr, dass es aufgrund der Wahlen voraussichtlich auf 2015 verschoben wurde. Indes ist man in der Gemeinschaft fieberhaft damit beschäftigt, die Bewerbungsrunden der neuen Kommissare möglichst professionell über die Bühne zu bringen. Wieder einmal erweist sich die große europäische Zusammenkunft als ein unbeweglicher, mit sich selbst beschäftigter Beamtenapparat.
 
Dabei wäre alles so leicht. Nur ein bisschen über seinen eigenen Tellerrand schauen. Rüber auf die Insel. Großbritannien kann auch Vorbild für Europa sein. Bereits 2007 wurden die Industrie, Gastronomie und der Einzelhandel an die Kandare genommen. Ergebnis innerhalb von ein paar Jahren: Der Nahrungsmüll wurde seitdem um über dreizehn Prozent reduziert.
Trotz allem: Politik kann Verordnungen und Gesetze erlassen. Eines kann sie nicht: Gewissensbisse in unseren Köpfen erzeugen. Wenn wieder einmal der halbe Laib Brot von vorgestern in der Plastiktüte unter der Spüle verschwindet. Oder wenn wir unseren halbvollen Teller dem Kellner in die Hände drücken mit den Worten: „Tut mir leid, ich kann nicht mehr. Das Buffet ist einfach so lecker.“
Dieser inneren Stimme wird hierzulande immer mehr Gehör geschenkt. Eine wunderbare Entwicklung.