Während man von der Nordsee bis zur Zugspitze noch über die geplante Energiewende diskutiert und Tonnen von Früchten des Feldes in den Kraftfahrstoff E10 beigemischt  werden, blubbert eine grünliche Masse in gläsernen Tanks vor sich hin und entwickelt sich stillheimlich zur Ressource Nummer eins des 21. Jahrhunderts. Algen.

AlgenJeder hat hundertprozentig schon einmal seine ganz persönliche Erfahrung mit den schleimigen, grünen Wasserpflanzen gemacht. Beispielsweise als Kind beim Reinspringen in abgestandene Pfützen, beim Baden im Weiher oder vielleicht als lästigen Belag beim Putzen des Aquariums. Wissenschaftler verwenden zur Energiegewinnungsogenannte Mikroalgen. Ob Salz- oder Süßwasser – egal, das glitschige Grün passt sich schnell an und wächst in weltweit positionierten Farmen prächtig. Und das durch Photosynthese: Wasser, Sonnenschein, Nährstoffe und Kohlendioxid (CO2) braucht die Pflanze, um sich einen ölhaltigen Speckgürtel zuzulegen. Algen sind dabei bis zu 15mal effizienter als andere pflanzliche Energielieferanten. Erstaunlich, es gibt Arten, die können ihre Größe innerhalb von 24 Stunden um das 16-fache steigern.
 
Immenser Hunger auf CO2
Die Gefräßigkeit der Algen auf das klimaschädliche Kohlendioxid schafft Einsatzmöglichkeiten. Ein paar Pilotanlagen in Deutschland untersuchen den Hunger der Wasserpflanzen auf das Treibhausgas. Mitte 2012 wurde in Niederaußem, ein paar hundert Meter von dem RWE-Kohlekraftwerk entfernt, eine Algen-Versuchsanlage in Betrieb genommen. Ziel war es, Erfahrungen zu sammeln, inwieweit Algen Kohlendioxid aus dem Kraftwerk aufnehmen können. Inzwischen entstehen rund sechs Tonnen Algenmasse im Jahr, die rund zwölf Tonnen CO aus dem Kraftwerksrauchgas gespeichert haben.
 
Weiter nach Genf. Hier schlängeln sich an einer Brücke über einer vielbefahrenen Autobahn transparente Rohre mit einem giftig-grünem, ständig in Bewegung befindlichen Inhalt. Quasi Algen in Aktion. Pumpen, Filter und Solarzellen sorgen für eine reibungsloses Funktionieren. Das futuristisch wirkende Gebilde holt sich das klimaschädliche COdirekt am Entstehungsort. Faszinierend: Der Dreck in der Luft wird „aufgefressen“ und das „Grün“ in den Rohren wird mehr. Conclusio: Die Luft wird sauberer und aus der gewonnenen Algenmasse können Kosmetika, pharmazeutische Produkte und Biodiesel hergestellt werden. Auf letzteren schielen besonders die Mineralölkonzerne, die Autoindustrie und die Flugflotten. Schon lange bewirtschaften die „Big Player“ eigene Algenfarmen in allen Teilen der Erde. Gegenden mit einem warmen Klima haben eindeutig einen Vorteil. Algen lieben Wärme. Forscher schätzen die Ausbeute pro Anbaufläche und Jahr bis zu 100 mal höher ein als die von anderen „Energiepflanzen“. In Fachzeitschriften überschlagen sich die Statements von Insidern „pro Alge“.
 
Autarkes Wohnen mit Algen
Auch das Wohnen könnte von der Grünpflanze profitieren.Häuser mit einer Fassade aus Glasbioreaktoren entstehen. Intelligent konstruierte Wohneinheiten mit zirkulierenden Algenpflanzen. Was zunächst den meisten Vermietern und Mietern noch unvorstellbar erscheint, könnte in zehn Algen industriellJahren schon Normalität werden. Erste Versuche liefern bereits bomben Energie-Einspar-Ergebnisse und kein Ende in Sicht.
Scheinbar führt an dem „grünen Gold“ in ein paar Jahren kein Weg mehr vorbei. Nach wie vor ist die Erwirtschaftung von Algenmasse sehr aufwendig und intensiv. Man braucht eine große Fläche, Wasser und Wärme. Wann der Produktionsprozess industrielle Reife erreichen kann, ist noch nicht abzuschätzen.
Vielleicht wird das flüssige Grün doch eine feste Größe in Zeiten einer unsicher umgesetzten Energiewende werden.
 
 
Bilder: pixabay,   big merci
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