Die Antriebstechnik für das weltweit erste elektrische Fischerboot ist da. Die Lösung kommt von Siemens, spart Treibstoff, schont Klima und Umwelt und ist günstiger in der Wartung.         

 

Der Fischkutter „Karoline“ wird hauptsächlich von einem batterieversorgten Elektromotor angetrieben. Somit ist er nun auch ohne schwarze Diesel-Rauchschwade vor der Küste Norwegens unterwegs.Der Fischkutter „Karoline“ wird hauptsächlich von einem batterieversorgten Elektromotor angetrieben. Somit ist er nun auch ohne schwarze Diesel-Rauchschwade vor der Küste Norwegens unterwegs.Der neue Fischkutter Karoline wurde vom Bootshersteller Selfa Arctic AS entwickelt. Er fährt hauptsächlich mit einem Elektromotor, der seine Energien aus Batterien bezieht. Nachts laden sich die Stromspeicher im Hafen über das örtliche Stromnetz wieder auf. Zur Sicherheit sind zusätzlich ein effizienter Dieselmotor und ein Generator zur Stromerzeugung an Bord. Dieses kombinierte Antriebssystem ist eine gemeinsame Entwicklung von Siemens und Selfa. Siemens liefert die Antriebstechnik inklusive Elektromotor, Batterie, Generator sowie der Steuerung des gesamten Systems.

Angenehmes Arbeiten auf einem Elektrokutter
Die Karoline hat als Heimathafen das norwegische Tromsø und fährt nun seit Anfang Oktober zur See. Die Fischer empfinden ihre Arbeit auf der Karoline als weniger ermüdend, weil die Abgase, Vibrationen und der Lärm wegfallen, die der Dieselmotor verursacht.
In Norwegen ist der Einsatz von Elektroschiffen besonders sinnvoll, denn das Land erzeugt seinen Strom ausschließlich aus erneuerbaren Quellen. Bei der Stromerzeugung werden keine Treibhausgase ausgestoßen. Alleine die Fischereiflotte, die heute etwa 400 Millionen Liter Diesel im Jahr verbraucht, könnte mit der Umstellung auf Elektroantrieb ihren Treibstoffbedarf um 80 Prozent senken. Mit der Einsparung wäre es für die norwegische Regierung möglich, das selbstgesteckte ehrgeizige Ziel, nämlich die Reduktion des Treibhausgases CO2 um 40 Prozent zu senken, erreichen.

Aus Sicherheitsgründen und bei Langstreckenfahrten verfügt das Antriebssystem des Schiffes über eine Akkubank und einen Generator, der von einem effizienten und leisen Dieselmotor angetrieben wird.Aus Sicherheitsgründen und bei Langstreckenfahrten verfügt das Antriebssystem des Schiffes über eine Akkubank und einen Generator, der von einem effizienten und leisen Dieselmotor angetrieben wird.Billiger und angenehmer im Betrieb. Bis zu zwölf Stunden am Tag ist ein Fischkutter unterwegs. An normalen Arbeitstagen, etwa acht Stunden, sind die Batterien ausreichend. In dieser Zeit verbrennt die Karoline keinen Diesel und belastet weder Umwelt noch Klima. Fällt der Ladezustand der Batterie unter einen bestimmten Wert, produzieren der Dieselmotor und der Generator mit jeweils 60 Kilowatt (kW) Leistung automatisch den Strom für den Elektroantrieb.
In den ersten 30 Tagen des Betriebs haben die Fischer 58.000 Kilogramm Fisch gefangen. Das Schiff hat in dieser Zeit nur 0,04 Liter Diesel pro Kilo Fisch benötigt. Das ist eine Reduzierung von 80 Prozent im Vergleich zu normalen Fischkuttern mit Dieselmotor.
Die neue Technik spart nicht nur Treibstoff sondern auch Betriebskosten, denn ein Elektromotor muss weit seltener gewartet werden als ein Dieselmotor. Die Batterien können etwa 30.000 Ladezyklen durchlaufen.

In kalten Wintern kommt ein weiterer Vorteil des Batteriebetriebs zum Tragen, denn dann müssen die Schiffe im Hafen beheizt werden. Üblicherweise liefert der Dieselmotor die Heizenergie. Dabei gehen aber etwa 70 Prozent der Wärme über den Schiffsrumpf verloren. Die Heizung der Karoline hingegen wird über die Batterien oder direkt aus dem Stromnetz versorgt. Sie arbeitet wesentlich effizienter und es muss kein Diesel verbrannt werden.

Elektrofähren in Norwegen - ein Erfolgsgarant
Siemens war bereits an der Entwicklung der ersten vollelektrisch angetriebenen Autofähre der Welt beteiligt. Die Ampere bedient seit Frühjahr 2015 eine sechs Kilometer lange Fährverbindung über den norwegischen Sognefjord. Siemens und die norwegische Umweltorganisation Bellona haben den Fährbetrieb der Ampere analysiert. Diese Studie zur Profitabilität von Elektrofähren in Norwegen ergab nun, dass auf 70 Prozent aller Fährverbindungen Schiffe mit Batterie- oder dieseleletrischem Hybridantrieb profitabel wären.
Das Ergebnis: für Verbindungen mit weniger als 35 Minuten Fahrzeit gilt eine rein elektrische Lösung als wirtschaftlich, für größere Strecken sind Hybridvarianten kosteneffizienter. Von den insgesamt 111 Fährverbindungen und 180 Fährschiffen in Norwegen könnten 84 Schiffe auf 61 Routen auf reinen Batteriebetrieb und weitere 43 Fähren auf 32 Routen auf Hybridantrieb umgestellt werden. Norwegen würde jedes Jahr 300.000 Tonnen oder neun Prozent seiner CO2-Emissionen sowie 8.000 Tonnen Stickoxid-Emissionen einsparen. Außerdem würden pro Jahr 100.000 Tonnen weniger Diesel verbraucht. Insgesamt ergäben sich so Kosteneinsparungen von 77 Millionen Euro pro Jahr.

Text: Herr Dr Norbert Aschenbrenner Bilder: Redaktion Siemens AG ; Einleitungs- und Beitragsbild   pixabay

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