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Sie heißen Vivalto Lungo, Colombia Andino und Ristretto und ihre Bedienung ist kinderleicht. Kapsel rein in die Maschine, Knopf drücken und der Kaffee ist fertig. Die Glücksritter der ersten Stunde, die Kaffeepulver in kleine Aluminiumkapseln pressten, waren die Schweizer. Der Nestlé Konzern verdient sich seit dieser „glänzenden Idee“ dumm und dämlich. Seit 2016 gibt es die Hightech-Kapsel als Klon auch von anderen Kaffee-Magnaten. Egal, ob Capsa von Dallmayr, Cafissimo von Tschibo oder das Expressi Equipment von Aldi – alle versprechen Exklusivität und ein sprichwörtliches „Dazugehören" zu einem exponierten Club.

KaffeekapselnBranchenexperten vermuten, dass in zehn Jahren 30 bis 40 Prozent des ausgeschenkten Kaffees aus der Aluminium- oder Plastikverpackung stammen wird. Klar, jeder Kaffeeanbieter möchte von der Gelddruck- bzw. Kapselmaschine etwas abhaben.
Branchenprimus Nestlé legte die vergangenen Jahre zweistellige Wachstumsraten beim Verkauf von Maschinen und Patronen zu. Und das ist nicht zuletzt auf das große Engagement von George Clooney als Werbegesicht zurückzuführen. Dem Hollywoodstar muss vollkommene Absence bei diesem Job unterstellt werden, da er bekanntlich bei anderweitigen Events gerne mit seinem Hybrid-Auto vorfährt und enorme Summen in nachhaltige Projekte investiert.

Die bombastische Erfolgsgeschichte der Kaffeekapsel ist ein beliebtes Lehrinstrument für BWL-Studenten und zugleich ein Beweis dafür, dass der Verbraucher alles andere als mündig ist. Er will an die Hand genommen werden. Ihm soll gezeigt werden, was gut für ihn ist. Ein Schaf unter vielen. Schon Rockefeller wusste das. Er verschenkte Unmengen von Öllampen an Chinesen. Nicht etwa, weil der amerikanische Unternehmer besonders sozial war, sondern weil nun der Beschenkte sein Öl zum Auffüllen kaufen musste. Das Rockefeller-Prinzip funktioniert immer. Druckerpatronen, Telekommunikation und Kaffeekapselmaschinen.Kaffeewahnsinn

Der gesunde Menschenverstand fragt sich: Wie ist es möglich, dass Kaffeegenießer umgerechnet einen Kilopreis von 60 bis 70 Euro für ihr Getränk aus der Kapselmaschine bezahlen, während sie am Montagmorgen Würgereize vom Spritpreis bekommen? Übrigens, bei Aldi spart man wirklich. Dort liegt der umgerechnete Kilopreis für den Kapselkaffee bei 30 bis 40 Euro. Und dazu der besondere Clou für den geneigten Kaffeetrinker: Expressi kann auch heiße Schokolade und Kaffee-Milchgetränke wie Latte Macchiato und Cappuccino herstellen. Besonders „verbraucherfreundlich“: In diesem Fall kommen pro Tasse zwei Kapseln zum Einsatz, eine mit dem Kaffee und eine zweite mit der Milch. Ein „kleiner Nachteil“: Der Preis steigt auf 38 Cent pro Portion an. Und damit nicht genug, wer mit Lungo Azzurro und Ristretto gar nichts anfangen kann, brüht sich eine Tee-Kapsel Blueberry Muffin auf.

Die Hersteller lachen sich krank. Die Kapseltrinker fallen wie die Hunnen über den deutschen Kaffee- und Teemarkt herein. Bereits jetzt machen sie weit über sieben Prozent im Kaffeesegment aus. Wer anhand dieser Verhaltensweisen und Zahlen von einer kleinen Gruppe sprechen will, glaubt noch an das Christkind. Und das wäre alles andere als angetan von dem ökologischen Wahnsinn, der mit der Kapseltrinkerei betrieben wird. Traut man den Schätzungen, so wurden im Jahr 2013 über 15 Milliarden Kapseln mit ihrem schönen Metallmäntelchen auf den Müll geworfen. Die Konkurrenz Tschibo, Lidl, Jacobs folgt mit netten Plastikbehältern in aromasichernder Folie. Um Myriaden von Behälter herzustellen, bedarf es einer enormen Energieanstrengung. Über den dabei verursachten CO2-Ausstoß mag man erst gar nicht reden.

Vielleicht gibt es ja demnächst in Deutschland den ersten Capsa-TV-Spot, in dem die frisch vermählte Daniela Katzenberger auf ihrer Finca auf Malle kaffeeschlürfend sich in einer Liege räkelt, während im Hintergrund Pop-Titan Dieter Bohlen seine Luxusjacht schrubbt…

Florian Simon Eiler

Quelle: Bilder: Pixabay

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