Graz - Ich ess nur noch super! Açai, Chia, Goji, Quinoa – klingt namentlich schwer zu verdauen, was man neuerdings alles essen soll. Dabei macht dieses teure Superfood außerordentlich schön, gesund und fit. Oder ist es eher superproblematisch?
Die Autorinnen von "Schwarzbuch Superfood" sind diesen Fragen nachgegangen.

CoverVon der Werbung und den Lebensmittelkonzernen werden sie hoch gepriesen: Superfoods sollen Schlankmacher, Jungbrunnen und Vorbeugung gegen alle möglichen Krankheiten in einem sein: Chia-Samen, Goji- und Açai-Beeren, Quinoa, Gräser und exotische Früchte sollen nicht nur den Alterungsprozess aufhalten. Angeblich machen sie auch gute Laune, verringern das Risiko für Krebs, Alzheimer und Herzkreislaufkrankheiten, senken die Blutfettwerte und stärken das Immunsystem.

Ob Tee, Saft oder Marmelade – in einigen Drogerien und Supermärkten gibt es schon jetzt unzählige Lebensmittel, in denen irgendeine Super-Zutat steckt. Erhältlich sind sie auch als Tabletten oder Nahrungsergänzungspulver.


Doch welche gesundheitlichen Wirkungen entfalten die so angepriesenen „Superfoods“ wirklich? Und wie sieht es mit den Produktionsbedingungen aus?
Manche stammen aus dem tropischen Regenwald, wo eine nachhaltige Nutzung nicht möglich ist, andere stammen aus intensivem Anbau mit Pestizideinsatz, wieder andere müssen nach Europa eingeflogen werden und hinterlassen einen entsprechend großen ökologischen Fußabdruck.

Noch fragwürdiger ist die Einnahme von teuren Superfoods wie Acai Beere, Chia Samen, Kamukamu usw. in Form von Pulver und Pillen als Nahrungsergänzungsmittel.



Die Autorinnen geben einen Einblick in angepriesene Wirkungen, ernährungsphysiologisches Potenzial, Produktionsbedingungen und Transport exotischer Superfoods und stellen ihnen einige heimische Kraftbündel gegenüber. Ein kleines, wertvolles Büchlein zum Thema Superfood - nicht wirklich ein Schwarzbuch aufgrund der neutralen, kritischen Haltung der Autorinnen. Was sie anprangern, völlig zu recht, ist die mangelnde ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit und den oft nicht nachgewiesenen gesundheitlichen Nutzen.
Hilfreich: die diversen Superfood-Porträts sowie der Hinweis auf das heimische "Superfood", wie etwa Heidelbeeren, Sanddorn, Brennessel nach dem Motto: Warum  in die Ferne schweifen, wo das Gute liegt so nah.
Wer wissen will, was an den neuen Küchenhelden wirklich dran ist, sollte dieses Buch unbedingt lesen! 
Quelle: Text: lin/Leopold Stocker Verlag/Bilder: Cover/Verlag, Pixabay



Zu den Autorinnen: 

Daniela Grach, MSc., Mag. Caroline Schlinter, Dr. Marlies Wallner und Mag. Nicole Zöhrer beschäftigen sich als ausgebildete Ernährungswissenschafterinnen und Diätologinnen seit mehreren Jahren mit dem Thema „Superfood“.

Schwarzbuch Superfood - Heiße Luft und wahre Helden
Daniela Grach/ Caroline Schlinter/Marlies Wallner/Nicole Zöhrer
Leopold Stocker Verlag, 1. Auflage Juni 2016
87 Seiten, zahlreiche Farbabbildungen, 14,5 x 21 cm, Hardcover
ISBN 978-3-7020-1581-7

Preis € 9,95

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