Mag. Hermine Hackl, geb. 1963, leitet nach Stationen bei den Land- und Forstwirtschafts-betrieben  Österreichs, beim Österreichischen Bauernbund und bei der AMA Marketing als Direktorin den UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald, eine Modelregion für Hermine HacklNach-haltigkeit. Sie ist Präsidentin der Naturschutzorganisation BIOSA und Geschäftsführerin des Vereins wald.zeit und wurde für ihr Engagement für eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft u. a. mit dem Hans-Kudlich-Preis ausgezeichnet und zur „Waldbotschafterin“ ernannt.

 

Frau Hackl, schön, dass Sie Zeit für uns haben. Hat der Weihnachtsstress Sie noch nicht völlig in der Hand?  
Da ich mit Jänner einen neuen Job starte und den Resturlaub aus meinem alten Job eben abbaue, habe ich die ruhigste, angenehmste – und besinnlichste – Vorweihnachtszeit, die ich je verbringen durfte.

Wie kam es zu der Idee, ein Buch über Nachhaltigkeit zu schreiben?
Als Direktorin des UNESCO-Biosphärenpark Wienerwald bin ich (noch) für eine Modellregion für Nachhaltigkeit bzw. nachhaltige Entwicklung zuständig. Da ich mit dem Thema Nachhaltigkeit regelrecht wie ein/e PredigerIn durch das Land gezogen bin, wurde eines Tages ein Verlag (der Tyrolia-Verlag) auf mich aufmerksam und hat mich gebeten, ein praxisbezogenes Buch darüber zu schreiben.

Um den Begriff „Nachhaltigkeit" wird ein großer Hype veranstaltet. Was beinhaltet er für Sie persönlich?
Für mich bedeute Nachhaltigkeit, seinen ganz persönlichen Beitrag zur Verbesserung dieser Welt zu leisten. Auch in meinem Buch stelle ich diese These auf: jeder Mensch mit gutem Willen kann ganz genau dort, wo er gerade im Leben steht, seinen eigenen Input zur Nachhaltigkeit liefern. Mein Lieblingsspruch in diesem Zusammenhang kommt von einem amerikanischen Schriftsteller und lautet: „Der Sinn des Lebens besteht darin, Bäume zu pflanzen, unter deren Schatten man selber niemals sitzen wird."

In Ihrem Buch „Von der Kunst Bäume zu pflanzen"  haben Sie sich auf Spurensuche begeben und Menschen getroffen, die Nachhaltigkeit leben und etwas dazu zu sagen haben. Wer war für Sie am nächsten dran?
Eine entsprechende Wertung vorzunehmen, wäre aus meiner Sicht, den jeweils anderen gegenüber nicht fair. Ich kann Ihnen nur sagen, welche Aussage mich ganz spontan am meisten beeindruckt hat. Es war dies der Unternehmer Otto Hirsch. Er äußerte die Ansicht, dass es im Leben nicht darum ginge, Denkmäler zu polieren, sondern es darum ginge, in dieser Welt Spuren zu hinterlassen, wo zuvor keine Spuren waren. In einer Zeit, in der fast mehr Zeit und Energie in „Oberflächenpolitur" investiert wird, als in – im besten Sinne des Wortes – nachhaltige Aktivitäten, halte ich das für besonders bemerkenswert.

Laut dem Österreichischen Sachstandsbericht Klimawandel von 2014 ist die Alpenrepublik doppelt so stark betroffen, wie der globale Durchschnitt. Welche Möglichkeiten sehen Sie zur Minderung der Situation? 
Zum Thema Klimawandel sind sich nicht einmal anerkannte Wissenschafter in aller Klarheit einig. Es wäre doch etwas vermessen von mir, wenn ich als Laie hier eine Expertise abgeben wollte. Betonen möchte ich aber, dass Themen wie Klimawandel sehr wohl etwa mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun haben. Der Ausgangspunkt für ein nachhaltiges Leben ist für mich die soziale Säule. Wer mit sich, den anderen und der Welt wertschätzend umgeht, wird das auch mit der Natur tun. Hier müssten wir generell ansetzen.

Umweltschutz und Nachhaltigkeit als Strategie gegen den Klimawandel werden als Zukunftsmodell bejubelt. So etwas funktioniert doch nur in einem sozialen Konsens, oder?
Dazu darf ich auf die Antwort in Frage 5 verweisen. Nachhaltigkeit bedeutet, dass alle Säulen im Einklang miteinander stehen: die ökologische, die ökonomische, die soziale und neuerdings wird auch die kulturelle dazu gezählt. Das Prinzip Nachhaltigkeit ist wie ein Dach für diese Welt, das von möglichst vielen Säulen getragen wird. Jede dieser Säulen hat ihre unerlässliche Aufgabe. Und je stabiler diese Säulen sind und je besser auf einander abgestimmt, umso verlässlicher und dauerhafter (=nachhaltiger) kann das System funktionieren.

Wie sehen aber die Chancen in einem digitalen Zeitalter mit facebook und Co. aus?
Ich persönlich bin kein besonderer Freund der sozialen Medien. Das Wort selbst täuscht schon etwas vor, was es nicht ist und niemals sein kann. Es bleibt die wahre Menschlichkeit auf der Strecke und das ist es, worum es eigentlich geht. Es geht – z.B. beim Thema Nachhaltigkeit - um das Tragen von Verantwortung, die immer nur aus einer persönlichen Betroffenheit und einer echten Mensch-zu-Mensch-Beziehung oder Mensch-Natur-Beziehung entsteht. Das kann keine „Computer-Beziehung" jemals leisten.

Bei so viel Nachhaltigkeit: Gibt es bei Familie Hackl zum Fest ein paar ökologische Ausrutscher?
Na klar. Und ich verrate Ihnen auch den größten Ausrutscher: Wir wohnen in einem uralten Haus mitten im Wald ohne jegliche Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz. Zu Weihnachten laden wir die gesamte Familie zu uns ein. Dann kommen 25 oder mehr Personen aus allen Himmelsrichtungen zu uns angereist: und zwar mit dem Auto. Trotz ausgeklügelter Fahrgemeinschaften stehen dann schon einmal 7-8 Gefährte in unserem Hof. Zu dieser „Sünde" allerdings stehe ich. Denn es gibt für uns nichts Schöneres, als Weihnachten mit der gesamten Familie zu feiern.

Frau Mag. Hackl, danke für das Gespräch!

Florian Simon Eiler

Von der Kunst Bäume zu pflanzen

Von der Kunst Bäume zu pflanzenWie Nachhaltigkeit in der Praxis gelingt 20 Beispiele    
Mit  Baumsamen für den eigenen Garten,  176 Seiten,
20 sw. Abb., 12,5 x 20,5 cm,
gebunden
mit Schutzumschlag
als Beilage Samen von Lärche, Weißkiefer, Grau-Erle und Fichte
Tyrolia-Verlag, Innsbruck-Wien 2014
ISBN 978-3-7022-3394-5, € 14,95
Erscheint im September 2014
Auch als E-Book erhältlich:
ISBN 978-3-7022-3395-2, € 12,99

 

 

 Unsere Rezension:

 

Nachhaltigkeit – ein Begriff, der in der Gegenwart medial stark überstrapaziert wird. Es ist „in“, nachhaltig zu leben. Viele von uns kaufen bewusster ein, produzieren weniger Müll und interessieren sich für ein weniger spritverbrauchendes Gefährt. Müssten wir Nachhaltigkeit erklären, würden viele von uns wahrscheinlich erst googlen. Also, was steckt konkret hinter dem Wort, das der Berghauptmann Carl von Carlowitz vor 300 Jahren erstmalig erwähnt hat?
Die österreichische Waldbotschafterin und Hans Kudlich-Preisträgerin Hermine Hackl hat versucht, darauf eine Antwort zu geben – und es ist ihr gelungen.

Rezension von der Kunst Bäume zu pflanzenSie sucht nicht den Weg über ökologische Katastrophen und den oft überstrapazierten C02-Fußabdruck eines jeden einzelnen von uns. Stattdessen geht sie auf die Menschen zu, die für sich auf völlig unprätentiöse Weise ihren ganz persönlichen, nachhaltigen Weg gefunden haben: Da ist der Fischmeister Franz Hechinger, der den Dingen ihre Zeit gibt. Ein Johannes Gutmann, Sonnentor-Chef und Unternehmer des Jahres 2011, der eine Gemeinwohl-Ökonomie ins Leben gerufen hat und eine Nicole Prop, die einen hochbezahlten Managerjob hinschmiss und mit der Projektleitung von Green Care, ein sozial-ökologisches Projekt, dafür sorgt, dass „Menschen aufblühen“.

Genau das sind die Geschichten, die „verstehen machen“, was es bedeutet, in seinem „Bewegungsradius“ vorausschauend, nachhaltig zu agieren. Autorin Hackl, die seit Januar 2015 als Generalsekretärin für die Kooperationsplattform FHP (Forst Holz Papier) arbeitet und somit für die Koordination entlang der gesamten Wertschöpfungskette Wald/Holz in Österreich zuständig ist, trifft die Leute, „ratscht“ mit ihnen und bringt die Gespräche auf 175 Seiten zu Papier. Dabei stört nicht, dass viele österreichische Persönlichkeiten in der Bundesrepublik kaum bekannt sind. Gerade von der „Nichtangeberei“ lebt dieses Buch, wenn zum Beispiel Georg Starhemberg, Chef des Hauses Starhemberg, darüber spricht, dass „über Jahrhunderte ererbte Vermögen auch in Zukunft nicht nur nach rein marktwirtschaftlichen Gesetzen zu nützen“.

Das Buch „Von der Kunst Bäume zu pflanzen“ ist die Einführungslektüre für Leser, die mehr über das Mega- Wort Nachhaltigkeit erfahren wollen. Das Buch ist im Tyrolia Verlag erschienen. Leichte Verständlichkeit gepaart mit einzigartigen Lebensläufen machen die Publikation zu einem Geheimtipp in der „grünen“ Literatur.

Florian Simon Eiler   Einleitungs- Beitragsbild und Bild Baum: pixabay, Restliche Bilder: Tyrolia-Verlag