Rezension zum Buch „Wir schaffen das – aber so nicht!“ von Gerd Pfitzenmaier, dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift NATUR und jetzigen Herausgeber unserer Partnerseite globalmagazin.com.

Cover: cbx VerlagCover: cbx VerlagMenschen sind auf der Flucht vor Krieg, Hunger und Vertreibung. Ziel ist der reiche, mit dem Friedensnobelpreis dekorierte Kontinent Europa - und Deutschland, eine der begehrten Endstationen. Kanzlerin Angela Merkel hat mit ihrem vollmundigen „Wir schaffen das“ im Herbst 2015 für viel Aufregung innerhalb des Landes, aber auch bei unseren europäischen Nachbarn gesorgt. Vieles hat sich nach diesem, fast schon geschichtsträchtigen Zitat, in der der Bundesrepublik, aber auch in Ungarn, Polen und zuletzt in Österreich mit dem Rücktritt des Kanzlers Faymann verändert. Grund genug für den Journalisten Gerd Pfitzenmaier ein Buch zu schreiben mit dem Titel: „Wir schaffen das – aber so nicht!“

Der Autor beschreibt mit Hilfe des Terror-Spezialisten Lukas Diringshoff ausführlich, die politischen und gesellschaftlichen Bewegungen, die seit dem unkontrollierten Zustrom von mehr als einer Million Menschen hierzulande in Gang gesetzt wurden. Wie Bürger beispielsweise im World Wide Web mit „Worten zündeln“ und Firmen und skrupellose Geschäftsleute mit dem Leid anderer einen „fetten Reibach“ machen. Pfitzenmaier erzählt von der großen Hilfsbereitschaft der Deutschen und welche Gefahr durch offene Grenzen droht. Stichwort „Terror“.

Willkommenskultur, Hilfsbereitschaft versus Ghettobildung, Wagenburgstimmung und blankem Hass. Die große Stärke des Buches ist, dass es sich zügig und verständlich liest und gefühlt alles zusammenfasst, was für das Thema wichtig ist. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitschrift NATUR geht hierbei völlig altruistisch vor. Er zitiert x-fach Experten, Journalisten und Nachrichtenmagazine.

Und die Politik? Sie hatte und hat laut Pfitzenmaier bis jetzt keinen Plan. Vielmehr verstärkt sie durch lukrative Waffenlieferungen in nicht gerade friedfertige Länder die Fluchtursachen. Der Autor hat recht, wenn er von einer „grenzenüberschreitenden Uneinigkeit der Europäer“ spricht. Und: „Dieses Unvermögen, eine Vision zu formulieren, lässt viele Menschen gespalten zurück.“ Interessant ist die Tatsache, dass bei einer Umfrage in den 28 EU-Staaten fast 70 Prozent der Befragten die Forderung unterstützen, Staaten, die sich der Verantwortung entziehen, weniger Geld aus der EU-Kasse zukommen zu lassen.

Wie können wir die Mammutaufgabe bewältigen? Das Buch liefert hierzu Antworten. Wieder anhand von vielen Fakten und Presseberichten. Noch besser wäre es gewesen, wenn sich der Autor an dieser Stelle mal selbst geäußert hätte. Man wartet geradezu darauf, dass Humanist Pfitzenmaier loslegt.
Trotzdem ist ein Wunsch des Verfassers herauszulesen: eine völlig offene und vorurteilsfreie Kommunikation zwischen Deutschen und den Neubürgern. Ein Weg, der ufern könnte in ein gemeinsames Lernen und zugleich Basteln an einer Vision von der Zukunft unseres Landes.

Der Flüchtlingsstrom setzt unzählige Dinge in Gang. Die Publikation „Wir schaffen das – aber nicht so“ ist eine sehr gute Faktengrundlage ohne politische Couleur. Beim Lesen des Buches empfindet man zunächst die unzähligen Zitate als zuviel. Ihre Bedeutung erschließt sich am Ende des Buches. Es ist ein wertvoller Wegweiser zu einem objektiven Dialog.

Gerd Pfitzenmaier : „Wir schaffen das – aber nicht so“ hat 281Seiten,
CBX-Verlag, 2016 Preis 16,95 € (D), 17,40 € (A)
ISBN 978-3-945794-85-2

Florian Simon Eiler

Einleitungs- und Beitragsbild pixabay,   danke


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