Buch„Landlust“, „Liebes Land“, „Landleben“ – der Markt mit dem neuen „grünen Heimat- und Lebensgefühl“ boomt – und noch dazu bar jeglichen Gestanks nach Gülle, Schweiß und nach Rückenschmerzen. Eine auf Hochglanz getrimmte „Land-Welt“ ...

Dass sich demgegenüber in Deutschland eine durchaus ernsthafte, politisch motivierte „urbane Gartenbewegung“ entwickelt, darüber schreibt Martin Rasper in seinem Buch „Vom Gärtnern in der Stadt“: rund 200 Seiten voll von „wachsender“ Motivation, Freude am Säen, Pflanzen, Ernten, mit Bildern, die Lust machen, sich in der „farbigen Szene“ selbst aktiv einzubringen.

Um das Zimmern, Hacken, Pflanzen der „urbanen Gärtner“ dem Leser verständlich zu machen, erzählt der Autor viel Wissenswertes, beispielsweise über die Geschichte und Kultur des Gartens, er erklärt Fachbegriffe und beschreibt, wie man aus vollreifen Früchten wie Tomate oder Kürbis Saatgut gewinnen kann – eine Reise durch eine „neue“ farbig-blühende, duftende Landschaft, die den Leser einlädt, sich „wohlig niederzulassen“ und vom eigenen Grün zu träumen ... Verkehrt gedacht, denn was die Stadtgärtner antreibt, ist nicht nur die Lust am „Dreck unter den Fingernägeln“, sondern der Wille, politisch zu handeln,  sichtbare Kritik zu üben an den Verantwortlichen aus Politik und Wirtschaft, die durch ihre Interpretation von „Land-Wirtschaft“ Arten vernichten und mit ihrem Verständnis von Esskultur mit Nahrungsmitteln Geld verdienen.  Jeder Einzelne, so Rasper, kann durch sein Zutun das große „Landwirtschafts-System“ zum Kippen bringen und „die Entwicklung in eine andere Richtung drängen“.

Nicht zuletzt ist das Buch aber auch ein hilfreicher Ratgeber für die, die bereits vor der Lektüre dieses Garten-Buches in sich den „grünen Trieb“ verspürten und wie der Autor selbst sich zu Beginn seiner Pflanz-Aktivitäten mit manchen „Trieb-Tätern“ auseinandersetzen musste. Raspers Tipps lassen Boden lebendig werden, klassisch als Haus- oder Schrebergarten oder in der eher provokanten Ausführung als sogenannter „Guerilla-Garten“.

Doch eines ist dem säenden und pflanzenden Treiben unmissverständlich gemeinsam: das Miteinander als soziales Element, der Garten als „Öko-System“ – ein Gemeinwesen aus Menschen, Tieren und Pflanzen, die es zu retten gilt.

Ein kritischer und unterhaltsamer Appell des Autors an uns alle ...
Quelle: Text: Linda Fischer, oekom Verlag/Einl.bild: Pixabay, Cover + Porträt: oekom

Martin RasperÜber den Autor: 
Martin Rasper hat vom Kleingarten über Guerilla Gardening bis zum Hausgarten viele Formen des Gärtnerns selbst praktiziert. Er war langjähriger Redakteur bei »natur+kosmos« und Autor u.a. für die Süddeutsche Zeitung, das SZ Magazin, Merian und die schweizer Kulturzeitschrift Du. Er studierte Geologie, Philosophie und Journalismus in München und Berlin.


Martin Rasper: „Vom Gärtnern in der Stadt“ – Die neue Landlust zwischen Beton und Asphalt 

208 Seiten, oekom verlag München, 2012
ISBN-13: 978-3-86581-183-7
Erscheinungstermin: 27.02.2012
Preis: 19.95 €
Erhältlich als e-Book 

 

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