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Vollkornspaghetti

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Das in Vergessenheit geratene Pseudogetreide Buchweizen erlebt eine Renaissance im Bioanbau. Wegen seines nussigen Geschmacks und seiner ernährungsphysiologischen Vorzüge bereichert der Buchweizen nicht nur die glutenfreie Küche. Selbst für Schweine und Hühner liefert der Buchweizen ein gut bekömmliches Futtermittel.

Buchweizenkörner erinnern an Bucheckern. Foto: Photobank torange.bizBuchweizenkörner erinnern an Bucheckern. Foto: Photobank torange.bizBuchweizen ist kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs (Polygonaceae). Sein lateinischer Name lautet "Fagopyrum": das Korn (pyrum) der Buche (Fago). Denn seine Früchte ähneln den Bucheckern.  Unsere Vorfahren bauten die aus China stammende Nutzpflanze vor allem dort an, wo der Anbau herkömmlicher Getreidearten wie Weizen misslang. Mit dem vermehrten Einsatz von Mineraldüngern verlor der ertragsarme Buchweizen jedoch im 19. Jahrhundert an Boden. Denn nun gediehen auch ertragreichere Nutzpflanzen wie die Kartoffel auf nährstoffärmeren Äckern. Doch in den letzten zwei Jahrzehnten ist der Buchweizen vor allem im Bioanbau wieder im Kommen. Das anspruchslose Pseudogetreide gedeiht auch ohne mineralischen Dünger auf kargen, sandigen oder steinigen Böden. Außerdem ist Buchweizen aufgrund seiner langen Blütezeit eine gute Bienenweide, die den Imkerinnen und Imkern hohe Erträge bringt. Biobäuerinnen und Biobauern nutzen Buchweizen auch gerne als Zwischenfrucht: das Kraut wächst schnell und lässt kein Unkraut durch.

Buchweizen ist gesund
Laut dem Allgemeinen Informationsdienst für Landwirtschaft und Ernährung (aid) ist Buchweizen ein guter Energielieferant und liefert hochwertiges Eiweiß (11 bis 14 Gramm pro 100 Gramm). Zudem enthält er Mineralstoffe wie Kalium (460 Milligramm), Phosphor (254 Milligramm), Magnesium (231 Milligramm) und Kalzium (18 Milligramm) und B-Vitamine. Das enthaltene Kohlenhydrat Inositol wirkt sich positiv auf den Blutzuckerspiegel aus. Ein weiterer wichtiger Inhaltsstoff ist der sekundäre Pflanzenstoff Rutin, der die Durchblutung verbessern soll. Da Buchweizen kein Klebereiweiß (Gluten) enthält, eignet er sich besonders für die rund 500.000 bei uns lebenden Menschen mit Glutenunverträglichkeit (Zöliakie).

Trotz guter Werte braucht der Buchweizen noch Zeit, um als Eiweißlieferant Karriere zu machen. "Neuere Studien dazu fehlen oder wären hilfreich", meint Dr. Toni Meier von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Bis dahin hält der Agrar- und Ernährungswissenschaftler Buchweizen "vor allem ökologisch für interessant, da er zur Diversifizierung im Ackerbau beiträgt und so die Kulturpflanzenvielfalt erhöht."

Pasta aus Buchweizen ist gesund und lecker. Foto: ©ALB-GOLD Teigwaren/TrochtelfingenPasta aus Buchweizen ist gesund und lecker. Foto: ©ALB-GOLD Teigwaren/TrochtelfingenBiobuchweizenprodukte gibt es fast überall
Häufig wird Buchweizen als ganzes, geschältes Korn angeboten. In der Fruchtschale steckt der rote Farbstoff Fagopyrin, welcher nach übermäßigem Verzehr bei Sonnenbestrahlung zu Hautausschlag führen kann. Daher sollte man insbesondere ungeschälten Buchweizen gründlich mit heißem Wasser waschen. 

Buchweizen schmeckt gekocht, gekeimt oder geröstet. Kurz in der Pfanne geröstete Körner verleihen Salat und Müsli ein nussiges Aroma. Alternativ lässt sich Buchweizen auch keimen und dann zu Bratlingen oder Süßspeisen weiterverarbeiten. Bei Gebäck muss man Getreide-, Soja-, Johannisbrotkernmehl oder Eier dazugeben, um die gewünschte Backstabilität zu erreichen.

Biobuchweizenkörner, -grütze oder -Buchweizenmehl ist in Reformhäusern, Naturkostläden oder Drogeriemärkten erhältlich. Allerdings stammt die Ware häufig aus China, der Tschechischen Republik oder Ungarn. Wer Biobuchweizen aus deutschem Anbau möchte, kann zum Beispiel auf die Produkte von der Öko-Erzeugergemeinschaft Alb-Leisa von der Schwäbischen Alb zurückgreifen. Hier gibt es den Buchweizen auch weiterverarbeitet als Buchweizennudeln.

Buchweizen als Sojaersatz in der Tiermast?
Buchweizen ist nicht nur für die menschliche Ernährung interessant. In Versuchen hat sich gezeigt, dass Schweine das Pseudogetreide gut verwerten können. Enthält die Futtermischung 20 bis 25 Prozent Buchweizen, lässt sich der Sojaanteil um je zwei bis drei Prozent reduzieren. Buchweizen könne je nach Marktpreissituation und Energiebedarf das Futter für Geflügel und Schweine ergänzen, erklärt Jan Hempler, Experte für Fütterung und Tierhaltung bei der Landwirtschaftskammer Niedersachen. Allerdings habe Buchweizen einen sehr geringen Energiegehalt und die Erntemengen seien relativ gering seien. "Soja gänzlich ersetzen wird Buchweizen daher nicht", betont der Agraringenieur.

Text ökolandbau.de, Einleitungs- und Beitragsbild und Bild unten: pixabay

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Smartphone mit Apps  Appvielfalt

Bewertung: 5 / 5

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Frankfurt/New Haven - Wissenschaftler des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt haben gemeinsam mit Kollegen von der Yale-Universität und weiteren Institutionen die Smartphone-App „Map of Life“ entwickelt. Die Anwendung erlaubt es mit dem Mobiltelefon Arten zu erkennen, die Umgebung auf Tier- oder Pflanzenarten zu überprüfen sowie eigene Beobachtungen zu dokumentieren und zu teilen. Nun wurde die App zum kostenlosen Download veröffentlicht. 

Map of LifeMehr als ein digitales Nachschlagewerk: Die Map of Life-App © MOL112 Schmetterlinge, 173 Vögel und 60 Säugetiere – das sind unter anderem die „Arten in meiner Umgebung“, wenn man in Frankfurt die Smartphone-App „Map of Life“ befragt. Zu jeder der Tier- und Pflanzenarten gibt es einen Steckbrief mit Informationen zur Verbreitung, dem Aussehen der Art und Fotos. „Mit der neu erschienenen App kann man sich die Tiere in seiner unmittelbaren Umgebung anzeigen und erläutern lassen – und das weltweit“, erklärt Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Direktorin am Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt und ergänzt: „Ein Eichhörnchen erkennt wahrscheinlich jeder, die Unterscheidung von einer Wald- und einer Feldspitzmaus ist aber schon schwieriger.“ 

Tierbeobachtungen dirket dokumentieren
Die von der Universität Yale in Zusammenarbeit mit Senckenberg und weiteren Institutionen entwickelte App ist nicht nur ein digitales Nachschlagewerk. Böhning-Gaese hierzu: „Jeder Nutzer kann seine Tierbeobachtungen direkt dokumentieren und leistet so einen wichtigen Anteil an der Erfassung der Artenvielfalt.“ Aktuell sind bereits über 31.000 Arten in der App dokumentiert. In der hinter der Anwendung stehenden Datenbank des „Map of Life“-Projektes sind es knapp eine Millionen erfasste Arten. „Es gibt aber nach wie vor große ‚weiße Flecken‘ auf der Weltkarte. Langfristig wollen wir Informationen über die Verbreitung aller bekannten Tier- und Pflanzenarten bündeln und visualisieren. Das wird uns zeigen, wie viel oder wie wenig wir über ihr Vorkommen überhaupt schon wissen“, so Böhning-Gaese. 

Map of LifeFür jede gefundene Art gibt es einen Steckbrief. © MOLDarüber hinaus lassen sich anhand der „Map of Life“ Hotspots der biologischen Vielfalt und der Bedrohung von Arten besser identifizieren. Damit können zum Beispiel im Naturschutz und -management leichter Prioritäten gesetzt werden. „Die Welt verändert sich schnell und Arten verschwinden, bevor wir überhaupt wussten, wo es sie gab, welche Rolle sie spielten und wie wir sie hätten schützen können. Unser Wissen ist auf zu wenige Gebiete und Arten beschränkt. Weltweit Arten zu erkennen und zu dokumentieren birgt ein großes Potential für eine geographisch und taxonomisch vollständige Erfassung der Artenvielfalt“, fasst Dr.Walter Jetz, Professor an der Universität Yale und Leiter des „Map of Life“-Teams zusammen.

Text und Bild: Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum, Einleitungs- und Beitragsbild und Bild unten pixabay

Die kostenlose App ist in sechs Sprachen für Apple- und Android-Smartphones unter https://auth.mol.org/mobile/download verfügbar. Weitere Informationen zur „Map of Life“ gibt es unter http://mol.org

Wasser BeitragsbildVielleicht auch interessant: Artenvielfalt stärkt Ökosysteme im Klimawandel

 

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Mit der richtigen Ausrüstung, einer Forschungsanleitung auch noch gewinnen

Was krabbelt und schwimmt denn da an den Nord- und Ostseeküsten? Für alle neugierigen Jungforscherinnen und -forscher zwischen 6 und 12 Jahren bieten sich in den kommenden Wochen zahlreiche Möglichkeiten, das herauszufinden. Während der Sommerferien wird eine Vielzahl an Partnern des Wissenschaftsjahres 2016*17 – Meere und Ozeane an den deutschen Küsten die jungen Urlaubsgästen mit einem „mobilen Küstenlabor“ ausstatten und sie beim Entdecken der verschiedensten Lebensformen am und im Meer an die Hand nehmen. Das „mobile Küstenlabor“ beinhaltet eine Becherlupe, einen Kescher und eine Forschungsanleitung inklusive großem Gewinnspiel mit tollen Preisen. Die Liste aller Veranstalter, die an der Aktion teilnehmen und alle weitere Informationen finden sich unter http://www.wissenschaftsjahr.de/kuestenlabor.

Die Wissenschaftsjahr-Aktion „Mein mobiles Küstenlabor“ bietet zahlreiche Veranstaltungen für Kinder entlang der Nord- und Ostseeküste
Ganz gleich, ob auf Sylt, Helgoland, Fehmarn oder Stralsund – überall entlang den Nord- und Ostseeküsten wartet ein vielfältiger Lebensraum darauf, von den jungen Entdeckerinnen und Entdeckern unter die Lupe genommen zu werden. Darüber hinaus führen zahlreiche Forschungsinstitute des Konsortiums Deutscher Meeresforschung (KDM) Aktionen für die ganze Familie durch.
Dazu gehören beispielsweise Wattführungen für Eltern und Kinder. Im Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt finden Seetierpräsentationen statt. Hier können Kinder mit ihrem „mobilen Küstenlabor“ auf Entdeckungsreise gehen. Weitere Partner der Aktion sind unter anderem Jugendherbergen, Wattenmeer- Schutzstationen und Tourismusinformationen. Bis Ende September finden über 100 Aktionen statt. Wer an Nord- oder Ostsee Urlaub macht, findet alle Mitmach-Aktionen in der Nähe auf einer Karte unter www.wissenschaftsjahr.de/kuestenlabor. Aber auch Kinder, die in diesem Jahr keinen Küstenurlaub machen, können das Angebot nutzen. Sie finden auf der Webseite Infos zum Thema Biodiversität, die Forschungsanleitung zum Download und spannende Fakten zu den häufigsten Arten an Nord- uns Ostsee.

Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane
Die Meeresforschung ist Thema des Wissenschaftsjahres 2016*17. Zu 71 Prozent bedecken Ozeane und Meere unseren Planeten. Sie sind Klimamaschine, Nahrungsquelle, Wirtschaftsraum – und sie bieten für viele Pflanzen und Tiere Platz zum Leben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die Ozeane seit Jahrhunderten; und doch sind sie noch immer geheimnisvoll und in weiten Teilen unerforscht. Im Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane geht es um die Ergründung der Gewässer, ihren Schutz und eine nachhaltige Nutzung. Die Wissenschaftsjahre sind eine Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit Wissenschaft im Dialog (WiD). Sie tragen als zentrales Instrument der Wissenschaftskommunikation Forschung in die Öffentlichkeit. Das Wissenschaftsjahr 2016*17 wird vom Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM) als fachlichem Partner begleitet.

Text: Christine Rutke Redaktionsbüro Wissenschaftsjahr 2016*17 , Bilder: pixabayx.   big merci 

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Marienkäfer

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Die Unstatistik des Somers 2017 war die Meldung zur stark abnehmenden Zahl von Insekten in Deutschland. So warnte faz.net am 15. Juli „Schleichende Katastrophe: Bis zu 80 Prozent weniger Insekten in Deutschland“. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte vor einem verheerenden Insektensterben: „Wer heute mit dem Auto übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe“ wurde sie in einem Artikel auf welt.de zitiert. Die Online-Ausgabe der Schweriner Volkszeitung, svz.de, begibt sich in ihrem Artikel „Merkwürdig still geworden – oder?“ vom 6. August auf Spurensuche und diagnostiziert eine recht dünne Faktenlage.         

Die Unstatistik August ist die Meldung zur stark abnehmenden Zahl von Insekten in Deutschland. So warnte die Online-Ausgabe der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, faz.net, am 15. Juli „Schleichende Katastrophe: Bis zu 80 Prozent weniger Insekten in Deutschland“ (http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/schleichende-katastrophe-bis-zu-80-pro...).

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) warnte vor einem verheerenden Insektensterben: „Wer heute mit dem Auto übers Land fährt, findet danach kaum noch Insekten auf der Windschutzscheibe“ wurde sie in einem Artikel auf welt.de zitiert (https://www.welt.de/newsticker/news1/article166677644/Hendricks-warnt-vor-verhee...).

Im Bundestags-Wahlprogramm der Grünen steht: „In den vergangenen Jahren hat die Zahl der fliegenden Insekten um 80 Prozent abgenommen.“ Der Onlinebranchendienst „Meedia“ hält dagegen, die Medien seien mit der Meldung vom Verschwinden der Insekten in eine rot-grüne Wahlkampffalle getappt. Die Online-Ausgabe der Schweriner Volkszeitung, svz.de, begibt sich in ihrem Artikel „Merkwürdig still geworden – oder?“ (https://www.svz.de/deutschland-welt/panorama/merkwuerdig-still-geworden-oder-id1...) vom 6. August auf Spurensuche und diagnostiziert eine recht dünne Faktenlage.

Woher kommt aber die Zahl „80 Prozent“? Sie stammt wohl aus einer Studie (http://80.153.81.79/~publ/mitt-evk-2013-1.pdf) im Orbroicher Bruch, einem Naturschutzgebiet nahe Krefeld, wo man 1989 und 2013 jeweils zwei sogenannte Malaise-Fallen aufgestellt hat. Die Insekten fliegen in ein kleines Zelt und landen in einer Fangflasche mit hochprozentigem Alkohol. Die Falle wurde wöchentlich geleert und die toten Insekten gewogen. Über einem Zeitraum von 24 Wochen fand man 1989 insgesamt pro Falle etwa 1270g Biomasse und 2013 nur 280g – also fast 80% weniger.
Die Krefelder Insektenforscher sehen allerdings die Grenzen ihrer Studie: die veröffentlichten Daten betreffen nur diese beiden Jahre (die Daten für die Jahre dazwischen wurden bisher nicht publiziert) und man kann über die Zeit zuvor und danach wenig aussagen; die Falle fängt im wesentlichen nur flugaktive Insekten, nicht jene die nur krabbeln; und der Rückgang gilt für die Messpunkte im Orbroicher Bruch und nicht für ganz Deutschland.

Manche Medien und Politiker haben all dies ignoriert und suggeriert oder einfach behauptet, dass 80 Prozent aller Insekten in ganz Deutschland verschwunden seien. Das zeigt die Studie eben nicht. Wir kennen keine verlässliche Zahl für Deutschland und man bräuchte mehr Langzeitstudien wie jene in Krefeld. Aber anders als andere Tierarten haben Insekten keine Lobby.
Es gibt jedoch gute Hinweise, dass bestimmte Insektenarten – wie die einst von Kindern so geliebten Maikäfer – durch die Überdüngung, Pestizide und Monokulturen deutlich reduziert worden sind. Neben der Landwirtschaft tragen übrigens wir alle dazu bei, solange wir die auf diese Weise erzeugten billigen Lebensmittel kaufen.

Manch einer würde sich wünschen, dass es in diesem Sommer 80 Prozent weniger Mücken gäbe. Davon ist jedoch bislang nichts zu spüren. 

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl jüngst publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen.

Text: Jörg Schäfer Kommunikation RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung , Bilder : pixabay

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Biodiversität Artenvielfalt produziert mehr Biomasse

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Ökosysteme, die eine große Artenvielfalt aufweisen, sind dadurch besser gegen Dürre und andere extreme Wetterereignisse gewappnet. Sie zeigen gegenüber derartigen Störungen eine höhere Widerstandsfähigkeit. Denn das Wachstum von Pflanzen wird durch extreme Wetterereignisse umso weniger beeinträchtigt, je artenreicher die Gemeinschaften sind, in denen die Pflanzen leben. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Forschungsgruppen, die in einem weltweiten Verbund die Daten ihrer Experimente zusammen ausgewertet haben und ihre Forschungsergebnisse jetzt im Wissenschaftsmagazin ‚Nature‘ vorstellen.

Pflanzengemeinschaften - eine starke Verbindung
Die neuen Erkenntnisse beruhen auf mehrjährigen Experimenten, die auf insgesamt 46 Graslandflächen in Europa und Nordamerika stattfanden. Rund 40 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den USA, Deutschland, Großbritannien, Irland, Frankreich, der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien und Japan haben daran teilgenommen. Sie ermittelten in Bezug auf jede dieser Flächen, wieviel Biomasse die Pflanzen pro Jahr produzierten, wie sich das Wetter in jedem Jahr entwickelte und wie hoch die Artenvielfalt war. So konnte über alle Forschungsstandorte hinweg vergleichend untersucht werden, wie sich Extremereignisse auf die jährliche Biomasseproduktion artenreicher und artenarmer Pflanzengemeinschaften auswirken. Die Ergebnisse sind eindeutig: Wo nur ein oder zwei Pflanzenarten zusammenlebten, verringerte sich ihre Produktivität um 50 Prozent. In Pflanzengemeinschaften mit 16 oder 32 Arten sank die jährliche Biomasseproduktion jedoch nur halb so stark.

An den Untersuchungen waren seitens der Universität Bayreuth Prof. Dr. Anke Jentsch (Störungsökologie) und Prof. Dr. Carl Beierkuhnlein (Biogeographie) mit ihren Forschungsteams maßgeblich beteiligt. Denn die Versuchsflächen im Ökologisch-Botanischen Garten der Universität bieten die Möglichkeit, verschiedenste Klimaszenarien mit hoher Präzision zu simulieren. Zeltartige Dächer können alle Niederschläge abfangen und die Pflanzen einem extremen Dürrestress aussetzen. Gezielte Bewässerungsmaßnahmen führen zu Bodenverhältnissen, wie sie bei lang anhaltenden Niederschlägen entstehen. Und mit weit verzweigten Heizkabeln im Boden lassen sich rasche Abfolgen von Frost- und Tauperioden nachahmen.

ÖkosystemeProf. Dr. Anke Jentsch und Projektmitarbeiter im Ökologisch-Botanischen Garten (ÖBG) der Universität Foto: Christian Wißler; Bereits vor zehn Jahren startete daher auf dem Bayreuther Campus die Serie der EVENT-Experimente, die darauf abzielen, kurz- und langfristige Wirkungen von Extremereignissen auf einzelne Pflanzen sowie auf verschiedenartige Pflanzengemeinschaften zu testen. Der Forschungsverbund ‚Auswirkungen des Klimas auf Ökosysteme und klimatische Anpassungsstrategien (FORKAST)‘, der 2009 von der Bayerischen Staatsregierung im Rahmen des ‚Klimaprogramms Bayern 2020‘ eingerichtet wurde, förderte die Bayreuther Forschungsarbeiten.

„Die jetzt in ‚Nature‘ veröffentlichten Erkenntnisse belegen, wie zukunftsweisend diese Initiative war. Viele Indizien sprechen heute dafür, dass extreme Wettereignisse in vielen Weltregionen künftig häufiger auftreten werden als in früheren Jahrzehnten“, erklärt Prof. Beierkuhnlein, der an der Universität den Lehrstuhl für Biogeographie leitet. „Deshalb ist es wichtig zu wissen, wie wir funktionierende Ökosysteme – deren lebenswichtige Serviceleistungen für die Menschen häufig unterschätzt werden – vor Extremereignissen schützen können. Unsere weltweite Studie zeigt: Indem wir dafür sorgen, dass die Biodiversität von Ökosystemen gestärkt oder zumindest nicht weiter geschwächt wird, sichern wir eigene Lebensgrundlagen.“

Das Miteinander der Pflanzen ist noch lange nicht erforscht
Eine zentrale Frage konnten die bisherigen Forschungsarbeiten allerdings noch nicht beantworten: Wovon hängt es ab, wie rasch sich Pflanzen nach überstandenen Extremereignissen erholen und zu ihrer früheren Leistungsfähigkeit zurückkehren? Die Vermutung, dieser Regenerationsvorgang werde durch die Artenvielfalt von Pflanzengemeinschaften beschleunigt, bestätigte sich im globalen Vergleich zwischen den Forschungsstandorten noch nicht. „Wir wollen deshalb die enge Zusammenarbeit mit unseren internationalen Partnern fortsetzen, um auch in diesem Punkt Klarheit zu gewinnen“, sagt Prof. Jentsch, Professorin für Störungsökologie, und fährt fort: „Neuere Bayreuther Untersuchungen haben gewisse Indizien dafür ergeben, dass bei der Regeneration von Pflanzengemeinschaften weniger die Vielfalt der Arten als vielmehr deren funktionelle Unterschiedlichkeit und ebenso die genetische Vielfalt innerhalb von Arten eine Rolle spielen könnten. Unsere Forschungsmöglichkeiten auf den Versuchsflächen des Ökologisch-Botanischen Gartens werden eine wertvolle Unterstützung sein, wenn es darum geht, diese und andere Vermutungen zu erhärten – oder auch zu widerlegen. Die Wechselwirkungen zwischen Extremereignissen, Biodiversität und pflanzlicher Produktivität bleiben in jedem Fall ein spannendes Forschungsgebiet.“

Text: Mediendienst Forschung Universität Bayreuth  Fotos unbeschriftet: pixabay

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