Forscherteam der Universität Gießen leistet Beitrag zum Schutz von Wildbeständen
Seepferdchen sind weltweit in ihrem Bestand bedroht. Die Gründe dafür sind vielfältig: Neben der Zerstörung des Lebensraumes und zunehmender Umweltverschmutzung gelangen jedes Jahr Tonnen von getrockneten Seepferdchen für die traditionelle Medizin oder als vermeintliches Aphrodisiakum auf den asiatischen Markt. Der Ersatz von Wildfängen durch Zuchttiere ist jedoch sehr schwierig. Einem Forscherteam des Instituts für Spezielle Zoologie und Tierökologie (Prof. Dr. Thomas Wilke) sowie des Institutes für Tierernährung und Ernährungsphysiologie (Prof. Dr. Klaus Eder) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) gelang es nun jedoch, Seepferdchen erfolgreich nachzuzüchten.

Jungtiere des Langschnäuzigen Seepferdchens   Foto: Patrick SchubertJungtiere des Langschnäuzigen Seepferdchens Foto: Patrick SchubertSeepferdchenaufzucht ist sehr aufwendig
Obwohl die Seepferdmännchen nach 14-tägiger Tragzeit verhältnismäßig gut entwickelte Jungtiere freisetzen, ist die Überlebensrate bei Nachzuchten sehr gering, da die Jungtiere sehr krankheitsanfällig sind und spezielle Lebendnahrung von winzigen Krebstieren mit einem hohen Anteil an Omega-3 Fettsäuren benötigen. Diese Lebendnahrung ist jedoch sehr teuer, sodass eine industrielle Aquakultur von Seepferdchen aus ökonomischen Gründen bisher nicht sinnvoll ist.

In einer fachübergreifenden Studie in den marinen Aquakulturanlagen des Interdisziplinären Forschungszentrums für biowissenschaftliche Grundlagen der Umweltsicherung (IFZ) der JLU haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern  die Haltungs- und Fütterungsbedingungen nun entscheidend optimiert. Mit Hilfe eines speziellen „Kreiseldesigns“ der Aufzuchtbehälter und speziell imprägnierten Futters erzielten sie Rekord-Überlebensraten. Zudem konnten die Futterkosten auf ein Niveau reduziert werden, das eine industrielle Nachzucht in Aquakulturanlagen ökonomisch möglich macht. Dr. Patrick Schubert, der Leiter der Studie, freut sich besonders über diese Ergebnisse: „Unsere Untersuchungen liefern einen wichtigen Beitrag für die Arterhaltung dieser schönen Tiere und die Entlastung der natürlichen Bestände.“     

Die Studie wurde mit Unterstützung des Frankfurter Zoos, des Instituts für Angewandte Mikrobiologie der JLU sowie des deutsch-kolumbianischen DAAD-Exzellenzzentrums für Meereswissenschaften (CEMarin), an dem die JLU als Konsortialpartner beteiligt ist, durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Frontiers in Marine Science“ publiziert.

Text: Caroline Link Referat für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Justus-Liebig-Universität Gießen, Einleitungsbild   pixabay

Vielleicht auch interessant: Wildkatze breitet sich in Teilen Deutschlands wieder aus