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Weltweit nimmt die Urbanisierung von Landschaften zu.

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Leipzig - Weltweit nimmt die Urbanisierung von Landschaften zu. 60 Prozent der Flächen, die 2030 voraussichtlich städtisch sein werden, sind heute noch gar nicht bebaut. Wie sich die biologische Vielfalt dadurch verändert, lässt sich nur rückblickend feststellen. Allerdings gibt es für die meisten Städte erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts systematische Erhebungen der biologischen Vielfalt. Wissenschaftler des UFZ und des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) zeigen nun anhand historischer Daten, wie sich die Vielfalt von Pflanzen in der Region Halle (Saale) in über 300 Jahren der Verstädterung verändert hat und machen Vorhersagen für die Zukunft.

Die Wissenschaftler nutzten dafür von Botanikern seit dem 17. Jahrhundert veröffentlichte Artenlisten sowie Daten aus Herbarien. Bereits in den 1680er Jahren erfasste beispielsweise der botanisch interessierte Arzt Christoph Knauth die Pflanzenarten, die damals auf dem Gebiet der heutigen Stadt Halle vorkamen. Dabei beschränkte er sich nicht – wie bis ins 17. Jahrhundert üblich – auf die Pflanzen, die von pharmazeutischem Interesse waren, sondern erstellte eine weitgehend vollständige Artenliste. Sein Werk „Enumeratio Plantarum Circa Halam Saxonum Et In Eius Vicinia, Ad Trium Fere Milliarium Spatium, Sponte Provenientium“ publizierte er im Jahre 1687. Mehr als 20 Botaniker erfassten die hallesche Flora im Laufe der darauffolgenden Jahrhunderte, in denen sich die Bevölkerung der Stadt mehr als verzehnfachte.

AdonisröschenDas Frühlings-Adonisröschen verschwand im 19. Jahrhundert aus Halle. Die Art ist auf stickstoffarme Böden angewiesen. Sie gilt heute in ganz Deutschland als gefährdet. Foto: André Künzelmann/UFZAnhand dieser umfassenden Daten zeigte das Team um UFZ-Geoökologin Dr. Sonja Knapp, dass die Zahl der Pflanzenarten in Halle zwischen dem Ende des 17. Jahrhunderts und dem Beginn des 21. Jahrhunderts deutlich gestiegen ist – von 711 auf 860 Arten. Zugleich sank allerdings die verwandtschaftliche Vielfalt der Pflanzen: Einheimische Arten aus verschiedensten Pflanzenfamilien starben regional aus und wurden durch enger verwandte Arten ersetzt. Dazu zählen sowohl häufige einheimische Arten als auch gebietsfremde Arten, die aus anderen Regionen der Welt stammen. Als die Forscher die Summe aller Astlängen im Stammbaum, die verloren gegangen sind, berechneten, kamen sie zu dem Ergebnis, dass im Raum Halle 4,7 Milliarden Jahre Evolutionsgeschichte verloren gegangen sind – so stark sank die berechnete verwandtschaftliche Vielfalt. 

Japanischer StaudenknöterichDer Japanische Staudenknöterich kommt seit dem Ende des 20. Jahrhunderts in Halle vor. Die gebietsfremde Art wächst gut auf warmen, stickstoffreichen Standorten. Foto: André Künzelmann/UFZZusätzlich zu diesem Rückblick in die vergangenen drei Jahrhunderte wagten die Wissenschaftler einen Blick in die Zukunft: Das Team berechnete, wie sich die aktuelle verwandtschaftliche Vielfalt der halleschen Flora ändern würde, wenn zum einen die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten genannten Pflanzen aus Halle verschwinden würden und zum anderen die in Deutschland häufigsten gebietsfremden Arten, die es in Halle noch nicht gibt, dort einwandern würden. „Die verwandtschaftliche Vielfalt wird sehr wahrscheinlich weiter sinken“, sagt Dr. Marten Winter, der seitens des iDiv an der Studie beteiligt war.

Die verwandtschaftliche Vielfalt von Pflanzen gilt als wichtige Grundlage der Stabilität von Ökosystemen. Sie fördert die Vielfalt anderer Organismen und kann die Produktion von Biomasse steigern. Wie viele Millionen Jahre Evolutionsgeschichte verloren gehen müssen, damit Ökosysteme instabil werden, ist bislang allerdings ungeklärt. Die Wissenschaftler plädieren daher für einen vorsorgenden Schutz der biologischen Vielfalt. Da der Verlust der verwandtschaftlichen Vielfalt in Halle primär durch den Verlust einheimischer Arten getrieben wurde – darunter viele Arten, die auf nährstoffarme und kühle Lebensräume angewiesen sind – plädieren Sonja Knapp und ihre Kollegen für einen verstärkten Schutz dieser Arten und ihrer Lebensräume. 
Quelle: Text: Susanne Hufe, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ/Bilder: UFZ, Pixabay

Publikation:
Knapp S, Winter M, Klotz S: Increasing species richness, but decreasing phylogenetic richness and divergence over a 320-year period of urbanisation. J. Appl. Ecol. DOI 10.1111/1365-2664.12826.http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/1365-2664.12826/full

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Hamburg - Er hat "Löffel", mit denen man nicht essen kann, "Lichter", die man weder an- noch ausknipst und eine weiße "Blume", die nicht in der Vase steht: Der Osterhase alias Europäischer Feldhase! Eva Goris von der Deutschen Wildtier Stiftung erklärt die Hasen-Geheimsprache. Jedes Kind kennt den Osterhasen - aber über das "Original", den Europäischen Feldhasen, wissen die Wenigsten Bescheid.

SchultafelHier kommen die 10 Geheimnisse des Osterhasen aus der Jägerfachsprache: das Osterhasen-Lexikon

1. "Seine langen Ohren sind die Löffel. Sie sind trichterförmig und zehn bis 15 Zentimeter lang. Damit hört der Hase auch leise und weit entfernte Geräusche ausgezeichnet", erklärt Eva Goris.

2. Die Augen sind die Lichter oder Seher. Sie sitzen - wie bei allen Fluchttieren - seitlich am Hasenkopf. Eva Goris: "Durch diese besondere Position kann der Feldhase in einem 360 Grad Winkel schauen und jede Bewegung um ihn herum blitzschnell wahrnehmen. Trotzdem ist der Feldhase eher kurzsichtig."

3. Der Schwanz wird als Blume bezeichnet. Sie ist meist weiß gefärbt.

4. Typisch für den Feldhasen sind die langen Hinterbeine - in der Waidmannssprache Sprünger genannt.

5. Hat der Hase Auslauf, schlägt er am Abend einen flinken Hasenpass vom Wald zum Feld. Ein umgekehrter Hasenpass vom Feld zum Wald am Morgen nennt man Einlauf.
Feldhase © Deutsche Wildtier Stiftung/T. Martin

6. Spricht ein Jäger vom Hasen-Balg, meint er kein uneheliches Hasenkind (die Häsin rammelt ohnehin mit mehreren Hasenmännchen), sondern das weiche, warme Hasen-Fell. 

7. Der Hase schläft nicht im Bau. Eva Goris: "Um auszuruhen oder sich zu verstecken, scharrt er im Erdboden eine kleine Mulde, die Sasse."

8. Rückt der Hase zu Holze, läuft er in den Wald hinein, um sich dort etwa vor Fressfeinden wie Fuchs oder Bussard zu verbergen.

9. Wenn die Häsin einen "innehat", hatte sie nicht etwa zu viel Kräuterschnaps: Sie ist trächtig. Die Jungen werden übrigens nicht geboren, sondern gesetzt.

10. Hat der Hase einen Satz verloren, geschah dies nicht auf dem Tennisplatz: Ein Satz Junghasen sind die Geschwister eines Wurfes. Wurden sie vom Fuchs gefressen, ist der Satz verloren gegangen.
Quelle: Text: Deutsche Wildtierstiftung/Bilder: Pixabay

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Sitzen bleiben ist für Junghasen ein überlebenswichtiges Klassenziel in der Häschenschule.

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Deutsche Wildtier Stiftung zu Überlebensstrategien der Junghasen auf dem Acker

Hamburg - Sitzen bleiben ist für Junghasen ein überlebenswichtiges Klassenziel in der Häschenschule. "In der Sasse - einer flachen Mulde auf dem Boden - verharrt jetzt der Feldhasennachwuchs geduckt und möglichst unbeweglich, um seine Fressfeinde nicht auf sich aufmerksam zu machen", erläutert Dr. Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Deutschen Wildtier Stiftung. Denn Füchse und Dachse oder Vögel wie Krähen und Habichte registrieren die kleinsten Bewegungen und schlagen dann zu. Der Osterhasen-Nachwuchs hat viele Feinde. "Nur ein einstelliger Prozentsatz der Junghasen überlebt das erste Jahr", sagt Dr. Andreas Kinser, der seine Doktorarbeit zum Feldhasen geschrieben hat. Die ersten Lebenswochen für die Population sind entscheidend. Ist das Frühjahr verregnet, erfriert der nasse Nachwuchs in der Sasse.

Doch auch vom Menschen geht eine Gefahr für die Junghasen aus. Alle Jahre wieder vor Ostern bereitet der Landwirt den Acker für die Aussaat vor. Um Mais, Zuckerrüben und Sommergetreide anzubauen, wird jetzt gepflügt, geeggt und gepflanzt. Auf dem Grünland wird der Boden gewalzt und geschleppt. Da hilft Junghasen ihre Strategie des Sitzenbleibens nicht weiter. Unter tonnenschweren Maschinen werden sie zerquetscht und zerstückelt, untergepflügt und von spitzen Zinken zerrissen. Niemand zählt die Opfer unter den Junghasen. "Ihre Zahl geht sicher in die Hunderttausende", vermutet Andreas Kinser. Acker- und Grünlandflächen verwandeln sich im Frühling zu "Friedhöfen".

Nicht nur junge Feldhasen fallen der intensiven Ackerbearbeitung zum Opfer. Auch die Gelege von Bodenbrütern wie Rebhühnern, Kiebitzen und Feldlerchen werden durch die Arbeit der Landwirte zerstört. Die gerade geschlüpften Küken geraten unter die landwirtschaftlichen Maschinen. Der Frühling ist die gefährlichste Zeit des Jahres für den Wildtier-Nachwuchs.

Der Feldhase kompensiert die Verluste - noch - durch seine sprichwörtliche Fruchtbarkeit. "Allein in Deutschland gibt es rund drei Millionen Feldhasen", sagt Andreas Kinser. "In guten Hasenjahren können es im Spätsommer doppelt so viele Tiere sein, die über die Felder hoppeln", so der Experte der Deutschen Wildtier Stiftung.

Wildtiere finden in unserer modernen Agrarlandschaft immer weniger Versteckmöglichkeiten und Nahrung. Die Deutsche Wildtier Stiftung fordert daher, dass die Finanzmittel der Agrarpolitik zukünftig vor allem für gesellschaftlich gewünschte Leistungen im Umwelt- und Naturschutz bereitgestellt werden. "Das Produktionsziel ,Artenschutz' sollte zukünftig mit einem echten Einkommenseffekt für die Landwirte verbunden sein", so Andreas Kinser.
Quelle: Text: Deutsche Wiltierstiftung/Bilder: Pixabay

SiebenschläferMehr Infos zum Stichwort "Artenvielfalt" finden Sie hier!

In fast der Hälfte aller UNESCO-Weltnaturerbestätten werden bedrohte Arten gewildert.

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WWF-Studie: Wilderei in fast der Hälfte des UNESCO-Weltnaturerbes

In fast der Hälfte aller UNESCO-Weltnaturerbestätten werden bedrohte Arten gewildert, wird illegal Holz geschlagen oder illegal gefischt. Bereits vierzehn Stätten stehen auf der Liste des Welterbes in Gefahr. Das zeigt die nun veröffentlichte WWF-Studie „Not for Sale“. Die Naturschutzorganisation ruft daher weltweit zur engeren Zusammenarbeit im Kampf gegen den illegalen Handel mit Tier- und Pflanzenarten auf. Die internationale Staatengemeinschaft dürfe nicht tatenlos dabei zusehen, wie Wilderer das Welterbe plündern und ausrauben, so die Warnung des WWF.

Neben besserem Schutz und Überwachung von Welterbestätten braucht es laut WWF eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Washingtoner Artenschutzabkommen CITES, der UNESCO, nationalen Behörden, Nichtregierungsorganisationen und der Zivilgesellschaft, um den illegalen Handel mit bedrohten Arten zu stoppen. „Die Regierungen müssen ihre Anstrengungen erhöhen und die gesamte Kette des illegalen Handels angehen, bevor es zu spät ist“, warnt Marco Lambertini, Generaldirektor des WWF International. 

Bekannt für ihre Schönheit, Geologie, Ökologie und Biodiversität bieten UNESCO-Welterbestätten rund um den Globus Lebensraum für viele seltene Tier- und Pflanzenarten. Dazu gehören beispielsweise rund ein Drittel der wildlebenden Tiger oder beinahe 40 Prozent aller Afrikanischen Elefanten. Aber auch für das vom Aussterben bedrohte Java-Nashorn in Indonesien oder den im Golf von Kalifornien vorkommenden Vaquita, der als kleinster Wal der Welt gilt, gehören solche Gebiete zu den letzten Rückzugsrefugien. Der WWF hat 2016 eine globale Kampagne gestartet, um auf die Bedrohung der UNESCO-Welterbestätten aufmerksam zu machen und diese für kommende Generationen zu schützen.
Quelle: Text: WWF/Bilder: Pixabay

KlaviertastenHören Sie: Mit Klassik gegen den Elfenbeinhandel

 

Damit Brüderhähne als Masthähnchen weiter leben können, will die gemeinnützige Ökologische Tierzucht (ÖTZ) von Bioland und Demeter zum Zweinutzungshuhn zurückkehren.

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Für all diejenigen, denen das Tierwohl auch der "Brüder" aus der Legehennenbrüterei am Herzen liegt, eine zusätzliche Alternative: Bioeier, die durch einen Mehrpreis von einem Cent die Züchtung von Zweinutzungsrassen fördern. 

CoverSie gibt es in den Naturkostfachgeschäften, Hofläden und Biosupermärkten, die das Siegel der Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) verwenden dürfen. 

"Wer für das Ei einen Cent mehr bezahlt, unterstützt die Entwicklung zum Ökohuhn der Zukunft, mit dem auch das grausame Kükentöten beendet werden kann", erklärt Inga Günther, Geschäftsführerin der ÖTZ und selbst Hühnerzüchterin. Dank der gemeinsam von Bioland und Demeter initiierten gemeinnützigen Ökologischen Tierzucht gGmbH (ÖTZ) wird die Entwicklung eigenständiger Geflügelrassen und eines Zweinutzungshuhns vorangetrieben. Wer jetzt beim Eierkauf auf das ÖTZ-Siegel achtet, fördert diese Arbeit. Durch Unterstützung aus dem Naturkostfachhandel bekommt die ÖTZ schon bei über 22 Millionen Bioeiern einen Zusatz-Cent für die aufwändige Züchtungsarbeit.

Weil inzwischen weltweit fast ausschließlich Hühner gezüchtet werden, die entweder zum Eierlegen oder zur Mast taugen, sind Legehennen Eierlegmaschinen und ihre Brüder, die männlichen Küken aus den Legehennen-Aufzuchten, wirtschaftlich uninteressant. Damit Brüderhähne als Masthähnchen weiter leben können, will die gemeinnützige Ökologische Tierzucht (ÖTZ) von Bioland und Demeter zum Zweinutzungshuhn zurückkehren. Die Hennen dieser Rassen legen Eier, die Hähne setzen Fleisch an. Allerdings kostet diese Züchtungsarbeit nicht nur viel Zeit, sondern auch richtig viel Geld. Deshalb bieten ÖTZ, Landwirtinnen und Landwirten und nicht zuletzt Bio-Händler den verantwortungsbewussten Verbraucherinnnen und Verbrauchern nun die Chance, sich ebenfalls an dem Projekt zu beteiligen.

"Die Abhängigkeit von industriellen Zuchtstrukturen passt nicht zu uns als Bio-Branche. Wir wollen die Weichen stellen für eine wirkliche Alternative in der Geflügelzucht. Das wünschen sich auch die Verbraucher", betonen Bioland und Demeter. "Wir möchten würdevoll mit den Tieren umgehen und das beginnt schon bei der Züchtung. Kaum ein Bereich der ökologischen Tierhaltung fordert den Paradigmenwechsel hin zu mehr Tierwohl derart deutlich ein wie die Geflügelhaltung. Die Zucht von Legehennen liegt nämlich bisher weitgehend in der Hand von wenigen weltweit operierenden Unternehmen, die Elterntierherden, Brütereien, Aufzucht und Legehennenhaltung sowie Mast und Schlachtung in einem Verbund kontrollieren." Und weil die Ökotiere Biofutter bekommen, Auslauf haben, munter scharren dürfen und mehr Platz an Futterstellen und Tränken sowie auf Sitzstangen haben, schmecken ihre Eier auch besonders gut – nicht nur zu Ostern.

Quelle: Text: Ökolandbau/Pressemitteilung der Ökologische Tierzucht gGmbH/Bilder: Pixabay

FleischLesen Sie dazu: WWF-Einkaufsratgeber für Fleisch und Wurst

Blühender Waldboden

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Wälder liefern nicht nur Holz oder sind beliebte Erholungsräume für Menschen. Sie erfüllen auch wichtige ökologische Leistungen; ihre Böden binden neben Stickstoff und Schwermetallen auch das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2).
Wie sich die Belastungen der Wälder in den letzten 20 Jahren verändert haben und in welchem Zustand die Waldböden heute sind, ist in der zweiten Bodenzustandserhebung im Wald flächendeckend untersucht worden. Die Ergebnisse haben Wissenschaftler des Thünen-Instituts in einem rund 500 Seiten starken Bericht zusammengetragen, der Ende vergangenen Jahres in Berlin Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt übergeben wurde.

Der saure Regen zwang zum Handeln
Die Bodenzustandserhebung ist ein Gemeinschaftswerk von Bund und Ländern. Basis für die Erhebung waren 1.900 Untersuchungspunkte in ganz Deutschland. Es zeigte sich, dass sich die Umweltbedingungen seit der ersten Inventur in den 1990er Jahren deutlich geändert haben.

Dem Wald geht es besser  
Der Zustand der Wälder bzw. der Böden hat sich insgesamt verbessert. Die Stoffeinträge aus der Luft haben nachgelassen, eine Konsequenz aus den Luftreinhaltemaßnahmen, die im Zuge derSaure-Regen-Diskussionen beschlossen und umgesetzt wurden. Dadurch ist die Säurebelastung der Wälder geringer geworden: Die pH-Werte steigen langsam an und die Basenversorgung ist besser geworden. Dies ist für das Wachstum der Bäume positiv.
Stickstoffeinträge hoch, Schwermetallbelastung verringert sich

Überversorgung mit Stickstoff
Eine Herausforderung bleiben aber Stickstoffeinträge, die weiterhin hoch geblieben sind. Sie verändern die Artenzusammensetzung in Wäldern, häufig zu Lasten seltener Arten. Zusätzlich können sie zu Ungleichgewichten in der Nährstoffversorgung führen und den Boden weiter versauern. „Die Waldernährung und die Bodenvegetation deuten auf eine Überversorgung mit Stickstoff hin. Die Speicherkapazität der Böden für Stickstoff scheint erreicht zu sein“, sagt Projektleiterin Dr. Nicole Wellbrock vom Thünen-Institut für Waldökosysteme in Eberswalde. Bleiben die Einträge weiterhin hoch, so besteht die Gefahr von unerwünschten Austrägen, zum Beispiel in Form von Nitrat, ins Sicker- und Grundwasser. 

Die hohen Stickstoffeinträge beeinträchtigen nicht nur in Deutschland die Wälder, sondern auch in weiten Teilen Mitteleuropas. Das zeigen Erhebungen im Rahmen des internationalen Kooperationsprogramms Wälder (ICP Forests), die ebenfalls am Thünen-Institut für Waldökosysteme aufbereitet und 2016 veröffentlicht wurden.
Der Eintrag von Schwermetallen aus der Luft hat in den letzten 20 Jahren abgenommen. Die jetzige Bodenzustandserhebung zeigt, dass lediglich die Konzentrationen von Blei und Arsen teilweise über dem Vorsorgewert liegen, sie sind jedoch relativ stabil im Mineralboden gebunden. Höhere Aufmerksamkeit sollte Quecksilber entgegengebracht werden, da es sich zunehmend in der Umwelt verbreitet.

Aktiver Umweltschutz mit Laubwäldern
Der Umbau von Nadelwald-Reinbeständen zu Laub- und Mischbeständen in den letzten zwei Jahrzehnten hat sich insgesamt positiv auf den Waldboden ausgewirkt, da Laubwälder eine geringere Versauerung aufweisen und mehr organische Substanz und Kohlenstoff im Mineralboden binden. Dies ist besonders mit Blick auf den Klimawandel von Bedeutung: Mehr gebundener Kohlenstoff im Boden ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.  

Was weiterhin notwendig ist
Die von mehreren Bundesländern praktizierte Wald-Kalkung soll als vorsorgender Bodenschutz für funktionstüchtige und stabile Waldökosysteme sorgen. Mit der Kalkung werden zwar Säuren im Boden kompensiert und die Versorgung mit Nährelementen erhöht, allerdings ohne den ursprünglichen Zustand der Waldböden wiederherstellen zu können.
Hauptursache für die Belastungen der Wälder ist neben dem Faktor Trockenheit vor allem die Überversorgung mit Stickstoff, die zu Ungleichgewichten in der Waldernährung führt. Daher ist die Luftreinhaltung, insbesondere die Minderung der Stickstoffemissionen als eigentliche Ursache der Bodenversauerung, die wohl wichtigste Maßnahme, um gesunde Wälder zu erhalten.

Quelle: Text: Dr.Michael Welling Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Johann Heinrich von Thünen-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei , Bilder: Pixabay

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Gartenprojekte und Initiativen, bei denen geflüchtete Menschen mitarbeiten oder die von Geflüchteten initiiert wurden sind aufgerufen, sich am DUH-Wettbewerb zu beteiligen - Gärten sind ideale Orte zur Umweltbildung und Integration Berlin - Garte

 

 

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Kaffeekapselwerbung kann gefährlich sein oder Mr. Clooney

Freitag, 21. April 2017 04:48

Kaffeekapselwerbung kann tatsächlich gefährlich sein. Vielleicht bringt auch das kleine Filmchen Mr. Georg Clooney ein wenig zum Nachdenken. Einerseits engagiert sich der Hollywood-Start für Umweltschutz und unseren Planeten Erde. Andererseits ist er nach wie vor gerne bereit für einen Kaffeekapselgiganten als Werbefigur zur Verfügung zu stehen.

 

 

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