NACH OBEN

  

TOP THEMEN

  • Beton liefert Sonnenstrom

    Beton liefert Sonnenstrom

    Ein Forschungsteam der Universität Kassel entwickelt einen Baustoff, der zugleich eine Solarzelle ist. Wichtige Bestandteile sind leitfähiger Beton und organische Flüssigkeiten wie beispielsweise Fruchtsäfte. „DysCrete“ soll künftig unter anderem zum Bau von Fassaden dienen und zugleich Sonnenenergie in Strom umwandeln.

    „DysCrete“ besteht aus einem speziellen leitfähigen Beton, der mit Lagen aus Titandioxid, einer organischen Flüssigkeit, einem Elektrolyt, Graphit und einer transparenten Oberfläche beschichtet ist. Das Ergebnis ist eine sogenannte Farbstoffsolarzelle, der Beton selber übernimmt dabei die Funktion einer Elektrode. Die Umwandlung der Sonnenenergie in Strom folgt dem Prinzip der Photosynthese. Das Materialsystem ist besonders umweltfreundlich.  

    Beton liefert SonnenstromVersuchsaufbau für eine Messreihe. Foto: BAU KUNST ERFINDEN/Klussmann/KloosterDie Entwicklung von „DysCrete“ ist ein Projekt der interdisziplinären Lern- und Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“ von Prof. Heike Klussmann, Leiterin des Fachgebiets Bildende Kunst an der Universität Kassel, und Thorsten Klooster, Projektleiter Forschung am Fachgebiet. Das Projekt  wird vom Bundesbauministerium mit rund 150.000 Euro gefördert und läuft zunächst noch bis Mitte 2015. Projektpartner sind das Fachgebiet Werkstoffe des Bauwesens und Bauchemie (Leitung Prof. Dr. Bernhard Middendorf) und Partner aus der Industrie. 

    Prototypen des Sonnenstrom-Betons existieren bereits. „Unser Ziel ist es, ein Material zu entwickeln, das in Zukunft in der Bauwirtschaft eingesetzt werden kann, beispielsweise für Fertigteile im Hochbau, Fassaden-Elemente und neuartige Wandsysteme“, erklärt Prof. Klussmann. „Zugleich liefert es als Solarzelle einen Beitrag zu einer nachhaltigen und dezentralen Energieversorgung.“

    Farbstoffzelle ist günstig in der Herstellung

    Die Farbstoffsolarzelle selber ist keine Kasseler Erfindung; neu ist die Verschmelzung von Solarzelle und Baustoff. Die Farbstoffsolarzelle oder auch Grätzel-Zelle ist eine Alternative zur herkömmlichen Silicium-Solarzelle. Sie beruht auf einer Entwicklung des Schweizer Chemikers Michael Grätzel und ähnelt im Prinzip der Photosynthese der Pflanzen.

    Um mit dem Solarstrom-Beton bei der Umwandlung von Sonnenenergie einen möglichst hohen Wirkungsgrad zu erzielen, optimiert die Gruppe um Prof. Klussmann und Klooster die Beschichtungen. Ein Beispiel: Verwendeten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beispielsweise anfangs noch Johannisbeersaft, so wurde dieser inzwischen durch andere organische Flüssigkeiten ersetzt.

    Ziel ist ein Wirkungsgrad von rund zwei Prozent. „Das rechnet sich deswegen, weil die Herstellungskosten von Farbstoffzellen deutlich geringer sind als die von Silicium-Solarzellen“, sagt Klooster. Zudem sind die Ausgangsmaterialien einfach zu beschaffen, umweltfreundlich und leicht recycelbar. Titandioxid etwa ist ein häufig verwendetes Material, das sich auch in Zahnpasta findet. Und: Farbstoffsolarzellen und damit auch „DysCrete“ reagieren auch auf diffuses Licht und können daher auch auf Gebäude-Nordseiten angebracht werden.

    „Bau Kunst Erfinden“ zeigt „DysCrete“ und weitere Innovationen auch auf der BAU 2015, der nach eigenen Angaben Weltleitmesse für Architektur, Materialien und Systeme. Die Messe findet vom 19. bis zum 25. Januar in München statt. Mehr Informationen unter www.baukunsterfinden.org. 

    Hintergrund: Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre 2012

    Die Lern- und Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“ ist eine interdisziplinäre und inzwischen preisgekrönte Projektgruppe, in der Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Studierende aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeiten; beteiligt am Projekt „DysCrete“ sind Vertreterinnen und Vertreter aus der Nanostrukturwissenschaft, Architektur, Materialwissenschaft und Kunst. 

    neue StoffeProf. Heike Klussmann Fotos: Blafield/Uni KasselProf. Heike Klussmann hatte mit der Lern- und Forschungsplattform „Bau Kunst Erfinden“ 2012 den Hessischen Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre erhalten, Deutschlands höchstdotierte staatliche Ehrung dieser Art. Heike Klussmann ist seit 2005 Professorin für Bildende Kunst an der Universität Kassel. Sie studierte an der Kunstakademie Düsseldorf und der Universität der Künste Berlin. 1999/2000 und 2003 hatte sie eine Gastprofessur am Art Center College of Design in Pasadena/USA inne. Sie erhielt zahlreiche Preise für Kunst, Design und Architektur.

    Quelle: Text: Uni Kassel/ Fotos: Blafield/Uni Kassel

     

  • Frankfurt am Main ist die nachhaltigste Stadt der Welt

    Frankfurt am Main ist die nachhaltigste Stadt der Welt

    Amsterdam/Darmstadt - Frankfurt am Main ist die nachhaltigste Stadt der Welt, gefolgt von London und Kopenhagen. Dies ist ein Ergebnis des Sustainable Cities Index, den ARCADIS, die führende globale Planungs- und Beratungsgesellschaft für "Natural and Built Assets" (natürliche Schutzgüter und bauliche Vermögenswerte), erstmals vorstellt. Im Rahmen des Rankings wurden fünfzig Städte aus allen Kontinenten hinsichtlich der Nachhaltigkeitskriterien "Menschen", "Umwelt" und "Wirtschaft" untersucht. Die Studie führte ARCADIS in Zusammenarbeit mit dem Londoner Wirtschaftsforschungsinstitut Centre for Economics and Business Research (CEBR) durch.

    Frankfurt auf Platz eins, europäische Städte insgesamt führend

    Frankfurt StadtSowohl im Bereich "Umwelt" als auch "Wirtschaft" liegt Frankfurt auf Platz eins, im Subindex "Menschen" schafft es die Mainmetropole auf Platz neun. Hier punktet besonders Rotterdam durch einen hohen Alphabetisierungsgrad und eine gute Work-Life-Balance, dem Gleichgewicht von Arbeit und Leben.

    Im Bereich Umwelt kommt Berlin, die zweite im Rahmen des Index untersuchte deutsche Stadt, direkt nach Frankfurt auf Platz zwei. Ausschlaggebend für die ersten Plätze der beiden deutschen Metropolen sind ein gutes Abfallmanagement sowie geringe Luftverschmutzung. In der Gesamtwertung steht die deutsche Hauptstadt auf Platz sechs.

    Insgesamt führen die etablierten Städte Europas die Liste an: Sie belegen durch eine gute Balance von sozialen, ökologischen und ökonomischen Aspekten sieben der ersten zehn Plätze.

    Erstaunliche Innovationskraft der europäischen Städte

    "Frankfurt am Main erreicht oft gute Plätze in Nachhaltigkeitsrankings", sagt Frankfurts Umwelt- und Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig, "doch der Sustainable Cities Index von ARCADIS verdient besondere Beachtung, weil er insgesamt die erstaunliche Innovationskraft der europäischen Städte belegt. Frankfurt am Main, London oder Kopenhagen sind deshalb erfolgreich, weil sie die Bürgerschaft in die Stadtentwicklung einbeziehen und Experimente fördern. Wer die eigene Umwelt positiv beeinflussen kann, wird am ehesten auch Lösungen für die globalen Herausforderungen finden. Wir freuen uns sehr über den ersten Platz für Frankfurt, aber genauso über jede weitere Stadt, die sich auf den Weg zur Green City macht."      

    Nachholbedarf beim Faktor "Menschen"

    Frankfurt Menschen geraten in den HintergrundDer Sustainable Cities Index macht Städten deutlich, wo sie stehen und zeigt Möglichkeiten auf, wie sie nachhaltiger werden können: wirtschaftlich, ökologisch und für das Wohl der Menschen, die dort leben", sagt John Batten, Global Cities Director bei ARCADIS. "Städte stehen heute mehr denn je in einem globalen Kontext", so Batten, "und sie müssen Wege zu einem Gleichgewicht zwischen Finanzen, der Attraktivität der Stadt als Lebens- und Arbeitsort und der Begrenzung der Umweltschäden finden."

    Die Studie verdeutlicht, dass besonders der Faktor "Menschen" in vielen Städten eine eher untergeordnete Rolle spielt. Weltweit sind die Kriterien "Wirtschaft" und "Umwelt" besser erfüllt. Wohnen beispielsweise wird in vielen der großen Wirtschaftszentren immer teurer - die Kosten für Immobilien haben für New York, London, Paris, Tokio und Hongkong zu schlechten Platzierungen geführt. In vielen Städten, allen voraus in Hongkong, gibt es zudem eine große Diskrepanz zwischen guter Bildung auf der einen und einer schlechten Work-Life-Balance auf der anderen Seite.

    Nordamerika: Wirtschaft zählt mehr als Umwelt

    Keine nordamerikanische Stadt findet sich unter den Top Ten im ARCADIS Nachhaltigkeitsindex. Die beste Platzierung erreicht Toronto mit Platz zwölf. Von den Städten der USA liegen Boston auf Platz 15 und Chicago auf Platz 19 am weitesten vorn.

    Im Teilbereich "Wirtschaft" punkten die Nordamerikaner deutlich stärker als in den anderen beiden Teilbereichen. Besonders das starke Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und das "Ease of doing Business", also geringe bürokratische Hemmnisse bei Geschäftstätigkeiten, führen dazu, dass alle untersuchten US-Städte im Subindex "Wirtschaft" in der oberen Hälfte der Rangliste stehen, am höchsten San Francisco auf Platz sieben. Zu mehr Nachhaltigkeit führt dies in der Gesamtsicht allerdings nicht: Hinsichtlich des CO2-Ausstoßes liegen alle nordamerikanischen Städte - gemeinsam mit Städten aus dem Mittleren Osten - in der unteren Hälfte des Rankings.

    Städte Asiens: ganz oben und ganz unten

    Frankfurt Asiens Metropolen haben in Sachen Nachhaltigkeit einiges aufzuholenAsiens Städte zeigen in punkto Nachhaltigkeit ein uneinheitliches Bild: Seoul, Hongkong und Singapur gehören zu den Top Ten der Gesamtwertung, während Neu-Delhi, Wuhan, Mumbai, Manila und Jakarta am anderen Ende des Rankings stehen. Im Subindex "Menschen" erreicht das südkoreanische Seoul mit dem zweiten Platz eine sehr gute Wertung. Ausschlaggebend dafür ist unter anderem die gute Verkehrsinfrastruktur. Hongkong indessen punktet mit guter Hochschulbildung, einer hohen Lebenserwartung und dem höchsten Anteil an Grünflächen. Durchschnittlich zwanzig Prozent längere Arbeitszeiten und eine niedrige Work-Life-Balance sind aber bei den meisten asiatischen Städten der Grund für eine eher niedrige Wertung im Bereich "Menschen". Wenig überraschend ist die gute Wertung vieler asiatischer Städte im Bereich "Wirtschaft", wozu vor allem ihre Bedeutung im globalen Handelsnetzwerk beiträgt. Hinsichtlich des "Ease of doing Business" sind Singapur und Hongkong von allen untersuchten Städten führend.

    Südamerika: gemischtes Bild bei der Umwelt

    Die Städte Mittel- und Südamerikas kommen besonders in den Bereichen "Menschen" und "Wirtschaft" zu keinem guten Ergebnis, bei der "Umwelt" zeigt sich ein gemischtes Bild. Die am besten bewerteten süd-amerikanischen Städte sind Santiago und São Paulo auf den Plätzen 30 und 31. Hinsichtlich des Ausstoßes von Treibhausgasen wird São Paulo allerdings nur noch von Nairobi und Manila im negativen Sinne überholt. Auch bei der Einkommensgerechtigkeit gibt Südamerika kein gutes Bild ab: Alle untersuchten Städte des Subkontinents liegen in diesem Punkt auf den letzten zehn Rängen.

    Mittlerer Osten: große Diskrepanz zwischen Wirtschaft und Umwelt

    Die Diskrepanz zwischen den Faktoren "Umwelt" und "Wirtschaft" ist im Mittleren Osten besonders ausgeprägt: Dubai und Doha etwa erfüllen ökologische Kriterien deutlich schlechter als ökonomische. Besonders ausgeprägt ist in den Städten des Mittleren Ostens der Bevölkerungszuwachs: In Doha, Dubai und Abu Dhabi ist die Anzahl der dort lebenden Menschen in den letzten fünf Jahren um über 30 Prozent an-gewachsen - eine enorme Herausforderung für die Infrastruktur. "Alle fünfzig untersuchten Städte, dies zeigt der Index, müssen eine wachsende Einwohnerzahl auf dem Plan haben", sagt ARCADIS Global Cities Director Batten, "für einige aber wird der Druck immens sein".

    Höchste und niedrigste Rankings im ARCADIS Sustainable Cities Index 2015

    TOP TEN
1. Frankfurt
2. London
3. Kopenhagen
4. Amsterdam
5. Rotterdam
6. Berlin
7. Seoul
8. Hongkong
9. Madrid
10. Singapur



    BOTTOM TEN
41. Rio de Janeiro
42. Doha
43. Moskau
44. Dschidda
45. Riad
46. Jakarta
47. Mumbai
48. Wuhan
49. Neu Delhi
50. Nairobi


    Zum Download des vollständigen Berichts: http://www.sustainablecitiesindex.com/

    Anmerkungen

    Was wir unter Nachhaltigkeit verstehen

    Definitionen von Nachhaltigkeit gibt es viele. Die Vereinten Nationen definieren nachhaltige Entwicklung als "eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart erfüllt, ohne die Möglichkeiten für künftige Generationen zu gefährden, ebenfalls ihre Bedürfnisse zu erfüllen". Für Städte bedeutet dies, heute auf eine Art und Weise gute Bedingungen für ihre Einwohnerinnen und Einwohner zu schaffen, die auch in der Zukunft keine Probleme für sich oder den Rest der Welt verursacht.

    Nachhaltige Städte verfügen über eine gute Verkehrsinfrastruktur, die den Menschen ermöglicht, sich schnell und kostengünstig fortzubewegen. Sie versorgen die Bürgerinnen und Bürger zuverlässig mit sauberem Wasser und bieten stabile soziale Strukturen. Die städtischen Einrichtungen arbeiten effizient und gerecht, verfügen über eine gesunde und gut ausgebildete gebildete Belegschaft und schaffen ein Umfeld für eine starke Wirtschaftsleistung. Um zukünftige Generationen nicht mit den Folgen heutigen Tuns zu belasten, bauen nachhaltige Städte ein gutes Abfallmanagement auf und verschmutzen weder Luft, Wasser noch die Atmosphäre. Nachhaltige Städte schützen die Einwohnerinnen und Einwohner auch vor den Folgen unvorhersehbarer Katastrophen, die Leben gefährden und die Stadt in ihrer Entwicklung zurückwerfen könnten.

    Methodik

    Städtevergleich in Sachen NachhaltigkeitDie Studie wurde vom Londoner Wirtschaftsforschungsinstitut Centre for Economics and Business Research (www.cebr.com) durchgeführt. Untersucht wurden dafür 50 Städte aus 31 Ländern, die nicht nur geographisch einen guten Querschnitt darstellen, sondern auch hinsichtlich verschiedener Ebenen der wirtschaftlichen Entwicklung, des prognostizierten Wachstums und einer Auswahl von Nachhaltigkeitsherausforderungen.

    Der ARCADIS Sustainable Cities Index kombiniert mithilfe einer detaillierten, evidenzbasierten Matrix viele einzelne Inputindizes, die jeweils einen Teilaspekt der Nachhaltigkeit einer Stadt quantifizieren. Alle Indizes beruhen auf verlässlichen Quellen wie den Vereinten Nationen, der Weltbank, der Weltgesundheitsorganisation WHO der Internationalen Arbeitsorganisation und vielen anderen.

    Quelle: ARCADIS

                                                                                                                                   

  • Kolumne: Jeder Tag kann nachhaltig sein. Der eine mehr, der andere weniger

    Kolumne: Jeder Tag kann nachhaltig sein. Der eine mehr, der andere weniger

    Viele Menschen versuchen in ihrem Alltag nachhaltiger zu leben. Manche, na sagen wir, sehen das Ganze, ein bisschen zu verbissen.  

    Auszug aus einem Tagebuch:
    Inhaber der Seiten: Bekennender Markenfetischist, männlich, lebt mit seinem Kater Julius in einer deutschen Großstadt.
    Viel Spaß!
     
    Sonntag
    Ziehe mir mit Julius eine DVD rein. Kult aus den 80ern. Terminator. Traumhaftes Bild auf meinem neuen 46 Zoll Flat. Arnold Schwarzenegger in seinen besten Zeiten. Schön aufgepumpt. Gefühlte fünf Worte bilden seinen Wortschatz. Julius zieht eine Mütze voll Schlaf in seinem Designerkörbchen von Colani vor. Ich finde Arnie einfach klasse.
     
    Montag
    Gerade habe ich im Radio gehört, dass der Ex-Gouverneur von Kalifornien, Schwarzenegger, bei einer Rede gesagt haben soll, Klimaschutz sei sexy. Arnie hat´s einfach drauf. Spontan bekenne ich mich zu der neuen Idee. Marschiere an vorderster Front einer neuen, quasi sexuellen Revolution entgegen.
    Jeder Tag kann nachhaltig seinErste Handlung im neuen "nachhaltigen" Leben - FahrradfahrenErste Handlung: Lasse mir über ein Online-Versandhaus ein T-Shirt drucken mit dem Slogan: „Ich bin sexy, weil ich das Klima schütze.“ Sprinte in den Keller und schleppe mein verstaubtes Fahrrad nach oben. Julius glotzt ungläubig auf die quietschende Fahrradpumpe, während ich mehr Luft in meinen Bizeps als in meine Reifen presse. Gleich darauf geht es in die Redaktion.
     
    Wow! Fahrradfahren macht richtig Spaß. Natürlich fahre ich abseits der Hauptstraße und natürlich verfahre ich mich.
    Später meint mein Chef, was denn mit mir los sei, ich sei noch nie zu spät zur Arbeit erschienen. Ich, noch völlig außer Puste und verschwitzt, entgegne, dass alles in bester Ordnung sei und Klimaschutz das eine oder andere Opfer von uns abverlangen würde. Mein Chef ringt jetzt ebenfalls nach Luft.
    Fühle mich wie neugeboren. Den restlichen Tag bin ich mehr damit beschäftigt, mir meinen persönlichen Aktionsplan auszudenken, als mich auf meine Arbeit zu konzentrieren.
     
    Dienstag
    Gestern Abend ist Marie mit einer selbstgemachten Ananastorte vorbeigekommen, „die ich doch so gerne mag". Jedenfalls bis gestern. Musste ihr erklären, dass Unmengen von CO2 in die Luft gepustet werden auf dem Weg vom Anbaugebiet der Ananas in Zentralamerika bis zu uns in das Supermarktregal.
    Anschließend war sie ein bisschen beleidigt. Heute ist sie die Erste im Bad. Ich klopfe und frage, ob es nötig sei, dass während des Haarewaschens das Wasser weiterlaufen müsse. Maulen aus der Duschkabine. Gerade die Morgentoilette steht bei mir ganz oben auf meinem Aktionsplan. Hier gibt es genügend Einsparpotenzial. Beispiel Rasur. Momentan Vier-Tage-Bart. Überlegung: Rasierapparat frisst Energie. Deswegen nur noch einmal die Woche das Gerät einschalten. Bevor ich noch über meine Dusche nachdenken kann, fällt mir ein, dass ich los muss. Sollte heute vielleicht mal wieder pünktlich sein.
     
    Mittwoch
    Julius nachhaltige WocheJulius hat das vegetarische Futter "ordentlich gestrichen" sattJulius kaut etwas unmotiviert auf seinem neuen Katzenfutter rum. Gestern habe ich im Internet gelesen, dass die kleinen Tiger wahre CO2-Verursacher sind, rechnet man die Herstellung des Futters, den verursachten Müll und die Sauberhaltung des Katzenklos mit rein. Julius hat das Rumbeißen auf seinem ersten vegetarischen Futter unterbrochen und schaut mich vorwurfsvoll an. Wahrscheinlich kann er Gedanken lesen.
    Schlüpfe mit meiner stahlharten Männerbrust in mein neues T-Shirt. Draußen regnet es. Fahre mit der Tram. Viele der Fahrgäste schauen auf mein Hemd und lächeln. Na also. Wirkt! Hier kommt „Hero Man of Climate“. Während ich noch in meinem selbst erfunden Comic schwelge, verpasse ich meine Haltestation. Chef meint, wenn ich so weitermache, sollte ich mir nicht über das Klima Gedanken machen, sondern eher über meinen Job, weil ich bald keinen mehr haben würde. Ich bin tiefenentspannt und weiß, wahre Helden müssen sich ab und zu Herausforderungen stellen.
    Höhepunkt des Tages: Ich halte spontan in unserer Kantine ein Referat über den völlig geisteskranken Fleischkonsum der Industrienationen und die damit verbundenen Auswirkungen auf das gesamte Klima auf unserem Planeten. Tosender Beifall von einer Gruppe von Küchenhelfern aus Rumänien. Meine Kollegen wollen lieber das Thema unter sich ausdiskutieren.
     
    Donnerstag
    Seit gestern hält es Julius nicht mehr lange in der Wohnung aus. Spielt den Beleidigten und beachtet mich gar nicht mehr. Wahrscheinlich geht er hinaus, Mäuse jagen. Auch gut. Wird wenigsten die Regionalität gefördert. Bei dem Gedankenspiel kommt mir eine Idee. Ich gehe zu meinem Metzger und frage ihn, woher das Rindfleisch eigentlich komme. Am Anfang schaut er mich etwas fragend an. „Ach so, Sie sind es Herr Brommer. Ich hab Sie gar nicht erkannt wegen des Bartes.“ Das Fleisch komme von einem nahegelegenen Hof. Das ist mir zu wenig Info. Ich will wissen, wie viel Kilometer der Hof weg ist und wie das Rind mit Vornamen geheißen hat. Tja, das war´s dann. War mal mein Metzger. Als ich den Laden verlasse, ruft mir der Chef noch hinterher, ich solle lieber an Sojawürstchen rumlutschen.
    Abends sitze ich bei Kerzenlicht und schaue alte Fotoalben an. Spart Energie und ist mal wieder richtig schön. Bin heute nicht so gut drauf. Auf meine Lieblingsserie „Sex and the City“ zu verzichten, ist echt hart. Julius glotzt demonstrativ den ganzen Abend in die Wohnzimmerecke.
     
    Freitag
    Heute Vormittag eine Rundmail verfasst mit dem Aufruf, dass jede Kollegin beziehungsweise jeder Kollege doch bitteschön über das Wochenende seinen Computer und das Licht ausschalten möge. Ja, Klima-Held zu sein, ist nicht immer einfach.
    Nach der Arbeit treffe ich Marie im Park. Sie wolle mit mir reden. Wir kaufen am Kiosk noch zwei „Latte to go“. Meinen lasse ich in mein mitgebrachtes Senfglas füllen. Das habe ich mal bei einem Amerikaner im Fernsehen gesehen. Spart eine Menge Müll. Marie scharrt unruhig mit den Füßen. Sie kommt sofort zur Sache. Ich hätte mich die letzten Tage stark verändert. Ich sei nicht mehr normal vor lauter Klima schützen.
    „Alex, du riechst nicht mehr ganz frisch. Du solltest mal wieder unter die Dusche und außerdem, was soll das mit dem Bart? Lässt Du Dir jetzt einen Vollbart wachsen? Du bist doch total abgedreht!“ Ich lache, habe gar nicht richtig zugehört und frage sie, ob sie wisse, wie viel CO2 man beim Sex erzeuge?
    Das war´s dann. Sechzehn Monate futsch. Bevor sie geht, zeigt sie mir noch den Autofahrergruß.
     
    Samstag
    Kuh nachhaltige WocheKommt die Milch von Elsa, Sigi oder Margit?Heute komme ich überhaupt nicht auf die Beine. Liege mit einem Kopf im Bett, als hätte ich einen Riesenkater. Julius ist diese Nacht nicht nach Hause gekommen. Klimaschützen ist doch nicht so sexy.
     

    Irgendetwas läuft falsch. Mein Kater mutiert langsam zur Wildkatze, meine zweibeinige Katze ist auch weg und mein Chef läuft einen persönlichen Feldzug gegen mich. Ich stehe auf, mache mir ein Müsli mit der Milch vom Bauern Gottfried, der ist Luftlinie zirka drei Kilometer von mir entfernt. Ob jetzt die Milch von Elsa, von Sigi oder Margit kommt, ist mir völlig egal. Ich habe heute schon genug Klima gerettet.
     
     
     

 

 

POLITIK

Das industrielle Freihandelsabkommen – geheimer Ausverkauf der EU: Ein Kommentar von Florian Simon Eiler

Mittwoch, 08. April 2015 16:21
Die US-Firma Lone Pine verklagt den deutschen Staat auf eine Entschädigung von 250 Millionen Dollar: Grund ist ein von der Bundesregierung beschlossenes Moratorium für Fracking
weiterlesen

Spielwiese Agrarrohstoffe

Freitag, 27. Februar 2015 18:12
Weizen weckt Begehrlichkeiten. Während in den armen Ländern der Welt die Menschen ihn dringend zum Überleben brauchen, wetten in den Wohlstandsstaaten Hedgefonds auf
weiterlesen

Gerechter Handel in Rekordlaune

Samstag, 28. Februar 2015 17:48
Eine farbige Frau sitzt auf dem Boden in der Mitte eines Dorfplatzes. Die Szene spielt in dem Dorf Kayao DÁpouri in Burkina Faso. Das Land ist eines der ärmsten Afrikas
weiterlesen

UMWELT & MOBILITÄT

Uni-Team baut „NexusHaus“ für US-Solarwettbewerb

Montag, 20. April 2015 09:26
Ein Haus, das mehr Strom erzeugt, als seine Bewohner verbrauchen – für solche Plusenergiehäuser gibt es schon viele Beispiele. Studierende der Technischen Universität München
weiterlesen

Algen - Schleimiger und grüner geht es nicht

Samstag, 21. Februar 2015 17:24
Während man von der Nordsee bis zur Zugspitze noch über die geplante Energiewende diskutiert und Tonnen von Früchten des Feldes in den Kraftfahrstoff E10 beigemischt  werde
weiterlesen

Leuchtturm Demokratie: Ein Kommentar von Florian Simon Eiler

Montag, 30. März 2015 17:20
Die deutsche Politik wird von der Industrie mitbestimmt und keiner kriegt es mit. Oder besser, es interessiert niemanden. So könnte man die momentane Situation in der Bundesrepu
weiterlesen

GRÜNE MODE & NATURKOSMETIK

 

 

LEBENSSTIL

Wie nachhaltig ist Ihre Familie 2015?

Wie nachhaltig ist Ihre Familie 2015?

Wer möchte nicht als ökologisch korrekte Familie gelten? Aber Bequemlichkeit und mangelnde Information machen das gar nicht so leicht. Hier ein pa
Versteckte Stromfresser: Energieberater spüren Kostentreiber im Haushalt auf

Versteckte Stromfresser: Energieberater spüren Kostentreiber im Haushalt auf

Berlin (ots) - Beim Blick auf hohe Rechnungen sind Stromkunden häufig ratlos. "Ein hoher Verbrauch geht oft auf versteckte Stromfresser zurück"
Eurovision Song Contest – erstmals als Green Event

Eurovision Song Contest – erstmals als Green Event

Wien - Im Mai 2015 findet in Wien der vom ORF veranstaltete "Eurovision Song Contest" statt. Zum ersten Mal in der 60-jährigen ESC-Geschichte wird de

 

 

 

AKTUELLE NACHRICHTEN

TV-Tipp: Wie öko sind Tetra Pak & Co?

Dienstag, 21. April 2015 06:18
Mainz (ots) - Getränkekartons sind ökologisch besonders wertvoll und 70 Prozent davon sollen laut Hersteller recycelt werden. Gegen diese Behauptung laufen Umweltverbände Sturm: Dies sei Verbrauchertäuschung. "ZDFzoom" geht am Mittwoch, 22. April

Jetzt mitmachen: Deutsche Aktionstage für mehr Nachhaltigkeit

Sonntag, 19. April 2015 18:06
Der Rat für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung ruft auf, bei den „Deutschen Aktionstagen Nachhaltigkeit“ zwischen 30. Mai und 5. Juni mitzumachen und Aktionen auf seiner Internetseite einzutragen. Die breite Beteiligung verschiedenster

Großküchen erwärmen für mehr Ressourcenschutz und regionale Produktauswahl

Montag, 20. April 2015 05:00
Paderborn - 24.000 Einrichtungen der Caritas gibt es in Deutschland, viele davon betreiben Großküchen. Doch obwohl sich der größte private Arbeitgeber der Republik der „Bewahrung der Schöpfung“ verpflichtet fühlt, spielen Umwelt- und Nachha

 

Anzeige

 

 

 

NEU in der MEDIATHEK

Sonnenwagen „ThyssenKrupp SunRiser“ sorgt für Aufsehen - der Film

Montag, 20. April 2015 15:53

PowerCore SunCruiser auf der World Solar Challenge 2013

 

 



 

ichtragenatur.de will für alle – Konsumenten wie Unternehmen – die Plattform sein, um sich zu sammeln und kennenzulernen, sich miteinander zu vernetzen und dann gemeinsam zu starten mit dem Ziel: mit unseren Ressourcen schonend umzugehen, für eine Umwelt, die allen Menschen das Leben erlaubt und – lebenswert macht.

 

 

Feedback

Sie haben Fragen oder interessante Themen für die Redaktion?
Wir freuen uns über Ihre Nachricht.