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  • Alternativen zum Wachstumswahn

    Alternativen zum Wachstumswahn

    Wirtschaftswachstum ist die gängige Maßeinheit für jede erfolgreiche Industrienation. Das beständige Streben nach mehr Wachstum bestimmt hierzulande unser Arbeitsleben. Mehr Umsatz, mehr Kunden, mehr Produkte. Effizienter, schneller, kostensparender. Nur so, so wird uns zumindest vorgegaukelt, können wir unseren Wohlstand erhalten und vielleicht sogar noch mehr „besitzen“. Jahrzehntelang wurde im Schatten dieser Formel „in die Hände gespuckt“. Doch immer häufiger wird dieses Gebaren hinterfragt: Ist das Streben nach kontinuierlichem Wachstum in einer begrenzten Welt, die unter Vermüllung und Ausbeutung ächzt, überhaupt noch legitim? Antworten suchen nicht nur große Akteure auf der Weltbühne, sondern auch Menschen, die einfach nur bewusster leben wollen. Konkretes Beispiel: Die Veranstaltung „Anders wachsen – Alternativen für das Oberland“ in der Kreisstadt Miesbach, südlich von München.

    anders wachsenAndere Wirtschaftsmodelle funktionieren
    Sie zeigt konkret, dass das Thema bereits Menschen intensiv zum Handeln angeregt hat. Sie sind beispielsweise in Solidargemeinschaften, in neuen Wirtschaftsmodellen und Repair – Cafés engagiert. Der Andrang um die Stände im Waitzingerkeller ist groß und zahlreiche Messebesucher sind fasziniert davon, dass man Arbeitskraft auch tauschen kann: „Biete Computerhilfe gegen Blumengießen“, so der Slogan von Tauschzeit Holzkirchen. Eine „Win-win-Situation“. Einfach und effektiv.

    Dass es bereits andere Wirtschaftssysteme gibt als unser jetziges, davon berichtet Nina Treu in einem der vielen Vorträge. Sie ist Mitbegründerin des Konzeptwerks Neue Ökonomie und war Programmkoordinatorin der 4. Internationalen Degrowth-Konferenz*, 2014 in Leipzig. „Die Idee einer anderen Wirtschaftsform ist keine Utopie, sie funktioniert schon.“ Der richtige Weg dafür laufe unter anderem über Umverteilung, Energieeffizenz, Suffizienz und einer regionalen Förderung. Als Negativbeispiel erwähnt die studierte Politikwissenschaftlerin die EU und ihre hoch subventionierte Fischereiflotte: „Sie fischen vor der Afrikanischen Küste mit ihren hochmodernen Schiffen alles leer und der Fischer vor Ort kann nichts mehr fangen.“ Auch ein Grund dafür, dass immer mehr Menschen ihr Zuhause verlassen und nach Europa aufbrechen würden.

    Upcycling Kunst setzt visuelle Zeichen

    Upgrade_Kaffeekapsel zu unzähligen Sternen verarbeitetUpgrade_Kaffeekapsel zu unzähligen Sternen verarbeitet Titel: "Sonnenenergie" Bild unten rechts: "Zerreißprobe" Teppich, der in die Schneefräse kamEntspannung von dieser Wirtschaftstheorie und ihren praktischen Ansätzen bietet für die Messebesucher eine gleichzeitig stattfindende Upcycling-Ausstellung.
    Die Künstlerin Tutti Gogolin aus Bayrischzell hat aus benutzten Kaffeekapseln Blumen gestaltet und sie auf einer Bildfläche angebracht. Nicht Recycling, sondern Upcycling, also den Dingen mehr Wert geben, ist das Credo der Kunstobjekte. „Comedia dell arte“ lautet der Titel von Klaus Gogolins Werk. Der Ehemann von Tutti hat ein Stück Metall bunt bemalt und einen Teppich, „der in die Schneefräse kam“, in ein Bild eingearbeitet.
    „Dinge, die wir nicht mehr sehen“, umschreibt Lisa Mayerhofer ihr Material. Getreidesamen, Heftklammern und alte Holzplanken, die die Künstlerin in den Bergen findet, werden in Collagen oder Plastiken „verwandelt“. Ebenfalls ein „Sammler und Künstler“ ist Jürgen Thamm. Er findet in den Weissach-Auen Müll und Naturmaterialien, wie zum Beispiel Wurzeln oder gewaschenes Holz. Aus diesen Werkstoffen entstehen Plastiken wie „die Liebenden“ oder „der Gekreuzigte“.

    Kunstwerke wie die Diskussion unter den anwesenden Experten zeigen unisono, dass dasTeppich der in die Schneefräse kam jetzige System auf Profit und reines Wachstum ausgerichtet ist. Die Folge: der Mensch und die Natur werden ausgebeutet. Die Beschleunigung und die globale Ungerechtigkeit nehmen ständig zu.

    Jedes Kind weiß, dass man nicht endloses wachsen kann. Was ist, wenn der Punkt erreicht ist, an dem kein „schneller, weiter, höher“ mehr funktioniert? Die Veranstaltung zeigt: Während große Konzerne unsere Politiker und deren Entscheidungen in Richtung Profitmaximierung diktieren, finden Bürger nachhaltige Antworten.

    Unter dem Begriff “Degrowth” (Anm. d. Red. „Postwachstum”, „Wachstumswende” oder “Entwachstum”)

    Florian Simon Eiler

    Einleitungs- und Beitragsbild   pixabay, sonstige Bilder   ichtragenatur.de

    Zum selben Thema: Gartenlos ernten,  Das Schrauben - Cafe: Bürger haben den Wegwerfwahn immer mehr satt und „In einer endlichen Welt kann man nicht unendlich wachsen“

  • Glosse zu TTIP: Die Götter müssen verrückt sein

    Glosse zu TTIP: Die Götter müssen verrückt sein

    US-Präsident Obama kommt dieses Wochenende nach Hannover und möchte zusammen mit Kanzlerin Merkel für TTIP werben. Aus diesem aktuellem Anlass bringen wir unsere Glosse zu dem Freihandelsabkommen.

    Vor allem in der letzten Zeit wird das allumfassende Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten von Amerika gerne verbal als „Deal mit trojanischem Pferd“ bezeichnet. Klar, dass diejenigen, die das Pferd begeistert nach Hause bringen, die leichtgläubigen Malteser, Schweden oder Deutschen sind.

    TTIP-Trojanisches PferdWeil bekanntlich Bilder immer mehr sagen als Worte hat vorsichtshalber der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) oder Greenpeace Austria ein, na sagen wir, kleines Fohlen zu der antiken Urmutter nachbauen lassen. Soweit so gut. Versucht man allerdings einen 5000-jährigen Brückenschlag vom Nordwesten der heutigen Türkei zur Jetztzeit bedarf es einiger Aufklärungsarbeit.

    Damals waren die Erbauer müde, frustrierte griechische Kämpfer, die nach zehn Jahren erfolgloser Belagerung der Stadt Troja endlich den Sieg einfahren wollten. Heute sind es angelsächsische Welt-Konzerne, mitunter auch ein paar europäische Unternehmen, die nichts anderes anstreben als Weltmacht und jedes Mittel dafür einsetzen. In der Antike mischten bei der ganzen Keilerei die vornehmsten Helden mit. Solche hehre Namen wie Odysseus, Achill oder Hektor werden durch X,Y und Z ersetzt.
    Die Strippenzieher treten nicht in Erscheinung. Ihre Sprachrohe sind Hopliten wie Merkel, „Gabriel der Listige“ und „Junker die Brechmaschine“.


    Der Ablauf war und ist derselbe. Man verkauft einem Volk, dass der Besitz des Pferdes beziehungsweise des Handelsabkommens mit den USA nur Glück, Wohlstand und Seligkeit bedeutet. Und siehe da! Es funktioniert. „Ja, wir wollen mehr Arbeitsplätze, Wachstum…lasst uns das Pferd in unsere dicken Mauern Europas hieven.“ Alle sind glücklich, feiern und tanzen. „Scheiß auf das Chlorhühnchen und den Genmais. Ich esse nur das, was ich will.“ Hoplit und TTIPDer mediterrane Dichterfürst Homer schreibt: In der Nacht krochen die Soldaten aus dem Bauch des Pferdes und öffneten die Stadttore.
    Man wagt sich kaum vorzustellen, wie der listige Gabriel mit seinem Hoplitenkostüm sich durch die enge Holzöffnung im Rumpf des Pferdes zwängt. Irgendwie klappt es und die Stadttore stehen meilenweit auf. Schiedsgerichte nehmen alles, was sie brauchen. Es wird gefrackt, Monsanto beschenkt das Volk mit genmanipulierten Samen und der Dax und Dow Jones steigen jeden Tag um 10 Prozentpunkte.

    Troja ging durch diese List unter und der Schatz des Priamos wurde legendär. Auch hier wird sich die Geschichte wiederholen: In tausenden Jahren wird man sich von den „Goldenen Europäern“ erzählen, die zu dumm waren, aus der Geschichte zu lernen. Man wird die unglaubliche Legende von einem Leseraum weitergeben, in dem gewählte EU-Verteter die Vertragsunterlagen nur "anschauen" durften. Darüber sprechen und Informationen notieren, bedeutete eine Sanktion für das Herkunftsland aus dem Vertreter stammte.

     

    Florian Simon Eiler

    Foto:pixabay

    Weiter "grüne" Glossen in unserer Rubrik

  • Discounter – das verdiente Lob: Ein Kommentar

    Discounter – das verdiente Lob: Ein Kommentar

    Zwischen 40 bis 45 Prozent beträgt der Anteil der Discounter am Gesamtumsatz im Lebensmittelhandel in Deutschland. Das bedeutet Macht – pure Macht, wenn fast die Hälfte jedes Euro für Gemüse, Fleisch und Fertigprodukte in den Filialen von Aldi, Lidl und Co bleiben.

    KaffeekapselnKaffeekapseln - der ökologische SupergauZu Recht wird von Verbraucherschutzverbänden und Vereinen auf die gigantischen Fleischzulieferbetriebe hingewiesen, die die Tycoonen im Euro-Billighimmel mit Tonnen von Geflügel und Rind- und Schweinefleisch versorgen. Die Discounter diktieren bei der immensen Abnahmemenge den Preis und sind indirekt daran beteiligt, dass Tiere nur noch als Kostenfaktor auf den Höfen verstanden werden. Ebenso muss man in diesem Zusammenhang auf ökologische Verirrungen seitens der Unternehmen hinweisen. Stichwort Kaffeekapseln. Ein Produkt, das einer Gelddruckmaschine gleicht und jedem gut gemeinten Nachhaltigkeitsgedanken einen heftigen Schlag in die Magengrube versetzt. Kritikpunkte gibt es beim Einkauf in den Filialen der As, Ls, Ps und Ns viele.

    Gerechterweise ist es aber auch an der Zeit, eine Lanze für die Discounter zu brechen und zu sagen, „das habt ihr gut gemacht“! Bienentoxische Wirkstoffe werden beim Anbau von deutschem Obst, Gemüse und Kartoffeln ausgeschlossen, ein gentechnikfreies Siegel eingeführt und ein Zeitplan erarbeitet, um die angebotene Kleidung im wahrsten Sinne des Wortes „giftfrei“ zu machen. In Sachen Nachhaltigkeit tut sich bei den Discountern einiges. Lidl hat bereits dieses Jahr den Fairtrade-Award für eine sehr erfolgreiche, zehnjährige Zusammenarbeit mit der Organisation gewonnen. Das Angebot mit dem Siegel wurde kontinuierlich in den Regalen ausgebaut. Fast gleichzeitig legt sich ALDI Süd mit einem der mächtigsten Lobby-Verbände der Lebensmittelindustrie,dem Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL), an. Vorausgegangen war eine Forderung des Unternehmens an seine Zulieferbetriebe, dass alle Lebensmitteleigenmarken in Zukunft frei von Mineralölbestandteilen, sogenannten MOSH und MOAH, sein müssen.

    Besonders spannend:Der Discounter Penny will ab Montag kommender Woche deutschlandweit in seinem Bio-Sortiment der Eigenmarke Naturgut auch Obst und Gemüse verkaufen, das bislang wegen Farb- oder Formfehlern nicht den Weg in die Regale schaffte.

    Das Wegschmeißen der krummen Karotte damit passé? Sicherlich nicht. Aber es ist ein Anfang. Die Bevölkerung ist sensibilisiert. Sie verlangt nach mehr Vernunft und möchte es auch mit seinem Geldbeutel honorieren.

    Florian Simon Eiler

    Bilder:pixabay,   big merci

    Zum Thema: Bienengift vom Tisch und Lidl setzt im Einkauf von Rohstoffen auf Nachhaltigkeit

  • Sensation Solarzelle - Strom bei Sonne und Regen

    Sensation Solarzelle - Strom bei Sonne und Regen

    Graphen-Schicht könnte Solarzellen Strom bei Regenwetter entlocken
    Solarenergie ist im Aufschwung, viele technische Fortschritte haben Solarzellen in den letzten Jahren bereits sehr effektiv und kostengünstig werden lassen. Ein großer Nachteil besteht jedoch nach wie vor: Bei Regenwetter wird kein Strom produziert. Das muss aber nicht so bleiben: Chinesische Forscher stellen in der Zeitschrift Angewandte Chemie einen neuen Ansatz für eine Allwetter-Solarzelle vor, die nicht nur durch Sonnenlicht, sondern auch durch auftreffende Regentropfen angeregt wird.

    Sonne/RegenWirkungsweise der Allwetter-Solarzelle (c) Wiley-VCHFür die Umwandlung von Sonnenenergie in Elektrizität entwickelte das Team von der Ocean University of China (Qingdao) und der Yunnan Normal University (Kunming, China) eine sehr effektiv arbeitende Farbstoff-Solarzelle. Damit auch bei Regen Elektrizität erzeugt werden kann, beschichteten sie diese mit einem hauchfeinen transparenten Film aus Graphen.
    Graphen ist eine zweidimensionale Kohlenstoffmodifikation aus bienenwabenförmig verknüpften Kohlenstoffatomen. Sie lässt sich gut durch Oxidation von Graphit, Trennung der einzelnen Schichten und anschließende Reduktion herstellen. Graphen zeichnet sich durch seine außergewöhnlichen elektronischen Eigenschaften aus: Es ist elektrisch leitfähig und reich an Elektronen, die über die gesamte Schicht frei beweglich (delokalisiert) sind. In wässriger Lösung kann Graphen zudem mit seinen Elektronen positiv geladene Ionen binden (Lewis-Säure-Base-Wechselwirkungen). Diese Eigenschaft wird z.B. genutzt, um Bleiionen und organische Farbstoffe aus Lösungen zu entfernen.

    Dies hat die Forscher um Qunwei Tang inspiriert, Graphen-Elektroden zu verwenden, um Strom aus dem Aufprall von Regentropfen zu gewinnen. Regentropfen sind kein reines Wasser, sondern enthalten Salze, also positiv und negativ geladene Ionen. Die positiv geladenen Ionen, wie Natrium-, Calcium- und Ammonium-Ionen, können an der Graphen-Oberfläche gebunden werden. An der Kontaktstelle zwischen Regentropfen und Graphen reichern sich auf der Wasserseite positive Ionen an, auf der Graphen-Seite frei bewegliche Elektronen. So entsteht eine elektrische Doppelschicht aus Elektronen und positiv geladenen Ionen – ein sogenannter Pseudokondensator. Die damit verbundene elektrische Potentialdifferenz reicht aus, um eine Spannung und einen Stromfluss zu erzeugen.

    Text: Dr. Renate Hoer Abteilung Öffentlichkeitsarbeit Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V., Einleitungs- und Beitragsbild pixabay,    vielen Dank    

    Vielleicht auch interessant: Beton liefert Sonnenstrom

  • Gartenlos ernten

    Gartenlos ernten

    Es dauert nicht mehr lange und landauf landab wird wieder in die Gummistiefel geschlüpft und kräftig in die Hände gespuckt. Bewaffnet mit einem Eimer voller Setzlinge und allerlei Gartengerät versuchen viele Bürger, dem Boden allerlei Grünzeug zu entlocken. Die Zeiten, in denen nur dem Bauer oder dem Gärtner der „grünen Daumen“ attestiert wurde, sind vorbei.
    Der Trend, von selbst gezüchtetem Gemüse oder auch Blumen, ist ungebrochen und muss als Baustein eines neuen Lebensgefühls, nämlich „nachhaltig leben“,  verstanden werden.

    Jede Parzelle wir mit einem Namensschild versehen. Schnecken haben keine Zutritt. Diese ignorien manchmal das VerbotJede Parzelle wir mit einem Namensschild versehen. Schnecken haben keinen Zutritt. Diese ignorieren manchmal das VerbotMitte April, wenn es vom Wetter passt, wird es spannend. Dann bekommt jeder Gartenfreund einen 100 Meter langer Bifang (altdt. Ackerbeet, Anm. d. Red.) oder Kartoffeldamm zugewiesen. „Das Einschlagen der Hölzer, auf dem die jeweiligen Namen stehen, ist fast schon ein wenig feierlich“, erzählt Adriane Schua. Sie ist erste Vorsitzende und Pressesprecherin der Solidargemeinschaft Oberland e.V. Rund um die Landeshauptstadt München gibt es das Netzwerk UNSER LAND von zehn Gemeinschaften und fast alle bieten auf sogenannten „Sonnenäckern“ Parzellen zum Verpachten an. Schua und ihr Team besuchen im Vorfeld die Landwirte und stellen ihr Projekt vor. „Inzwischen ist es so, dass die Bauern auf uns zukommen. Kommt es zu einer Zusammenarbeit, verpachten die Bauern Ackerfläche an uns und wir verpachten an Interessenten weiter.“

    Erfolgsmodell "essbare Stadt"
    Anders in vielen deutschen Städten. Dort stellt die Stadtverwaltung öffentliche Flächen kostenlos zur Verfügung. Unter der Anleitung von Gärtnern und Stadtplanern bauen Bürger Gemüse an. Die Idee der „essbaren Stadt“ hat ihren Ursprung in Andernach. Die Stadt am Rhein hat 2010 wahre Begeisterungsstürme im In- und Ausland erfahren. Inzwischen tragen die „grüne“ Bezeichnung Städte wie Mainz, Heidelberg, Regensburg, Wiener-Neustadt, Linz, Graz, Luzern und im Norden Englands, Todmorden.
    Das Konzept, dass jeder Einwohner pflanzen und auch ernten darf, fast schon „ernten muss“, hat funktioniert und neben der sinnvollen Begrünung des urbanen Raums noch zwei weitere Punkte erfüllt: einerseits die Verbesserung des sozialen Miteinanders innerhalb der Stadtgrenzen, andererseits wurde der Nachhaltigkeitsgedanke auf eindrucksvolle Weise belebt.

    Wohnraum wird in den Städten immer knapper und kostspieliger. Ein eigener Garten ist für viele Menschen nicht mehr erschwinglich. Eine freie, erdige Fläche, in der man sein eigenes Gemüse anbauen kann, ist deshalb sehr willkommen.

    Ernte des eigenen SalatesErnte des eigenen SalatesAus eben diesem Grund nutzen auch viele Menschen um den „Speckgürtel München“ gerne das Angebot von UNSER LAND. Adriane Schua: „Wohnraum wird immer teurer. Bei uns zahlen die Leute 50 Euro von Mitte April bis Herbst.“ Als Hobbygärtner würden sich junge Leute, die noch keine Kinder haben, Senioren, und natürlich Familien betätigen. Bevor jedoch die neuen „Sonnenäckerer“ loslegen können, müssen sie mit dem Verein eine Nutzungsvereinbarung unterschreiben. Darin ist unter anderem geregelt, dass die Bewirtschaftung der Äcker nach den Grundsätzen der ordnungsgemäßen Landwirtschaft ausgeführt werden muss. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Fläche (sowohl der Bifang als auch der Weg dazu) von Unkraut (Disteln, Ampfer etc.) durch Hacken frei gehalten wird. Die Verwendung von mineralischen Düngern und chemischen Pflanzenschutzmitteln ist untersagt.

    Reichliche ErnteSind die Punkte alle geklärt, dann steht der Ernte von Blumen, Kürbis, Brokkoli, Erbsen, Artischocken und vielem mehr nichts mehr im Wege. Pflanzenprofi Schua weiß, dass die Anpflanzung von Tomaten nicht so leicht ist. Die würden lieber eine warme Hauswand bevorzugen. Ein guter Pflanztipp für alle Ackerbesitzer: „Kartoffeln und Zwiebeln, da hat man das ganze Jahr etwas davon.“

    Selbst pflanzen - ein Bewusstseinsprojekt
    In diesem Jahr feiert die Solidargemeinschaft ein kleines Jubiläum: Seit zehn Jahren bietet sie Äcker zur Selbstbepflanzung an. „Die Entwicklung geht in eine schöne Richtung“, sagt die erste Vorsitzende stolz. „Trotzdem erstaunt mich immer wieder, dass viele Leute unser Projekt überhaupt nicht kennen. Wir müssen viel Aufklärungsarbeit betreiben.“
    Eine Arbeit, die sich sicherlich lohnt. Gerade bei Kindern sei es immer wieder toll mit anzusehen, wie diese reagieren, wenn sie fasziniert erkennen, dass aus einem Samen, der in die Erde gesteckt wird, etwas Grünes wächst. Schua: „Es ist auch ein Bewusstseinsprojekt. Viele merken, dass Erdbeeren nicht das ganze Jahr wachsen.“ Auch die Einstellung zum Wetter ändere sich: „Während andere Menschen jammern, wenn aus den Wolken Tropfen fallen, freuen sich unsere Pächter über Regen.“

    Florian Simon Eiler

    Mehr Infos über Sonnenäcker gibt es hier.
    Fotos: Solidargemeinschaft Unser Land e.V.

    Vielleicht auch interessant: Ernten dringend erlaubt. Wie in der Stadt Andernach Bürger ihr Gemüse selbst anbauen
    Schwindelfreie Radieschen - das Zero Acreage Farming

  • Im kompostierbaren T-Shirt auf der schwimmenden Rohstoffbank

    Im kompostierbaren T-Shirt auf der schwimmenden Rohstoffbank

    „Die Welt ein kleines Bisschen besser machen.“ - Mit diesem Ansatz schießen „grüne“ Startups wie Pilze aus dem Boden. Verwundert reibt man sich als Verbraucher die Augen, wenn man per App Lebensmittel bei sich um die Ecke ausfindig machen kann, die übermorgen ihr Mindesthaltbarkeitsdatum verlieren - günstig einkaufen und damit den Lebensmittelmüllberg ein wenig reduzieren helfen. Erholen kann man sich von der Shopping-Tour auf einer Parkbank. Sie ist an eine grün bemooste Wand, einen sogenannten CityTree, montiert, der mit Vorliebe Feinstaub frisst. Ein kleiner Beitrag für zunehmend saubere Luft in unseren Metropolen. In Wien gibt es Belohnung für soziale Arbeit, in den Niederlanden werden Recycling-Ideen am Fließband geboren und in Berlin trifft sich alles, was Rang und Namen hat, um fair produzierte und nachhaltige Mode zu bestaunen.

    Copyright CityTreeCityTree in Oslo; Copyright CityTreeMitten aus unserer Gesellschaft erwachsen Fragen nach dem „wie wir leben“. Experten monieren, dass unsere Lebensweise bisher sehr wenig dazu beigetragen habe, dass wir mit voller Stolz den Planeten an unsere Enkel weitergeben können. Eine ständige wachsende Zahl von Menschen, die nach Lösungen suchen, findet sich beispielsweise in der „degrowth“-Bewegung. Sie stellen die provokante Frage: „Schadet dem Menschen das Streben nach immer noch mehr Wachstum mehr, als es ihm gut tut? Postwachstum also als Chance, um die weitere Vergiftung, Vermüllung und Erwärmung unseres Planeten zu stoppen.

    Die Idee von Cradle to Cradle (C2C) steht dem Wachstumsgedanken eher neutral gegenüber. C2C, übersetzt „von der Wiege zur Wiege“, baut auf Materialkreisläufe und positiv definierte Materialien, die für Mensch und Umwelt gesund sind.

    Bei cradle to cradle entsteht kein Müll
    Rohstoffkreisläufe nehmen die zentrale Rolle in dem Konzept ein. Dabei unterscheidet man zwischen einem biologischen und einem technischen Kreislauf. Beide sind einfach erklärt: Obst und Gemüse wächst. Bei der Ernte fallen Schalen, Strunk usw. an. Diese „Bio-Abfallprodukte“ werden nicht weggeworfen, sondern kompostiert und später zur Düngung des Apfelbaums wieder eingesetzt. „Am Ende darf kein Müll entstehen“, erklärtNora Sophie Griefahn. Sie ist Mitbegründerin und Geschäftsführerin des gemeinnützigen Cradle to Cradle-Vereins. Man könne die richtigen Dinge tun, um gar keinen Abfall mehr zu erzeugen. „Materialien gebrauchen, statt kopflos zu verbrauchen“, so Griefahn. Ein Anspruch, der beim technischen Kreislauf in unserer Wegwerfgesellschaft alles andere als gegeben ist. Beispiel Alt-Computer: Die meisten Teile des Geräts werden einfach weggeworfen.

    Ziel von Cradle to Cradle ist, dass alle Bestandteile, und gemeint sind wirklich alle, wiederverwendet werden können. Wissenschaft und Technik sind inzwischen soweit, Materialien derart aufzubereiten, dass sie in neuen Gegenständen problemlos und ohne jede Qualitätsminderung eingebaut werden können.    

    Das dass alles nicht nur bloße „grün-gefärbte“ Träumerei ist, zeigt eines der größten Containerschiffe der Welt. Die von der dänische Reederei „Maersk Line“ gebaute, 400 m lange, über die Weltmeere schippernde Rohstoffbank besitzt einen „C2C-Passport. In dem Pass sind alle im Schiff verbauten Materialien gelistet. Wird der Containerriese abgefrackt, kann jede einzelne Schraube, jeder Bolzen und der Bordcomputer wieder verwendet werden.

    Foto: cradle to cradle e.V.Foto: cradle to cradle e.V.Zurück auf trockenem Boden, in Deutschland, bei Cradle to Cradle e.V. Die Organisation macht derartige Projekte wie das voll recyclefähige Containerschiff erst möglich. Die Organisation mit seinen 22 Regionalverbänden und 300 ehrenamtlichen Aktiven sieht sich als Vermittler zwischen Politik, Industrie und Wissenschaft. „Wir gehen rein in die Unis und erzählen von Cradle to Cradle“, erzählt Tim Janßen, selbst Wissenschafter mit Fokus auf Nachhaltigkeitsmanagement. Wichtig sei bei der Übermittlung der Idee ein „Perspektivenwechsel“. Der C2C-Dozent: „Ein Ingenieur hat sicher ein spezifisches Fachwissen und geht die Sache von einer ganz anderen Warte aus an.“ Der Verein sehe sich hauptsächlich als „Rahmen für engagierte Menschen“.

    C2C-Produkte wecken bei dem Verbraucher großes Interesse
    Engagiert muss man auf alle Fälle sein, wenn man ein konsequent C2C-konzipiertes Produkt auf den Markt bringen möchte. Soll heutzutage ein „grünes“ Produkt im freien Markt funktionieren, muss auch das „Drumherum“ in Ordnung sein. Stichwörter wie fairer Handel, Sozialstandards der Angestellten und Bauern, CO2 - Fußabdruck und ressourcenschonende und umweltfreundliche Anbau-, Ernte- und Weiterverarbeitungsmethoden. Das Berliner Startup leef hat diesen Schritt gewagt. Es macht aus heruntergefallenen Palmblättern der Areka-Palme in Indien kompostierbares Geschirr und verkauft es erfolgreich im „hauseigenen“ Online-Shop. In Baden-Württemberg ist der Sitz von Trigema, einem wahren Pionier in Sachen C2C in Deutschland. Schon vor Jahren hat die Firma mit ihren kompostierbaren T-Shirts für Aufsehen gesorgt. Ein mutiger Schritt, der belohnt wurde. „Das Cradle to Cradle-Konzept wird von den Kunden gut angenommen, die Nachfrage steigt“, sagt Sabine Breusch von der Trigema Werbeabteilung.

    Umso verständlicher ist, dass der erste Internet-Shop mit rein Cradle to Cradle zertifizierten Produkten seine Eröffnung vorbereitet. Im Netz sammelt cradlelution aus Lüneburg mit Crowdfunding Startkapital für die ersten Klicks auf C2C Bio Kapuzen-Sweatshirts.

    Von der Wiege zur Wiege – die Idee einer müllfreien Welt, in der alles gebraucht und wiederverwendet wird, ist längst den Kinderschuhen entschlüpft und auf dem Weg, erwachsen zu werden.

    Florian Simon Eiler

    Foto: pixabay,   big merci

    Zum selben Thema:
    Müllfrei leben - Eine Vision sorgt für Aufsehen: Der Verein cradle to cradle

 

 

POLITIK

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